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Leseprobe:
Zizis freunde in Gefahr,
von Louise Michaelis

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Kapitel 1

Die kleine Hexe saß sorgenvoll in der Abendsonne und betrachtete ihren geliebten roten Umhang, den sie sich vor Jahren aus der Wolle der kleinen Lämmer gemacht hatte. Viele Abenteuer hatte er mit ihr erlebt, sie musste schwer seufzen; denn es hatte sich so viel geändert. Der schöne Garten sah verwildert aus, seitdem ihre liebe, alte Dame nicht mehr hier war. Am liebsten hätte sie geweint; aber das war Hexen nicht erlaubt. Also putzte sie sich gründlich die Nase und wandte sich wieder dem Umhang zu.

Delphi, ihr kleiner Zaubervogel hatte in den späten Sonnenstrahlen ein Nickerchen gehalten und machte jetzt seine blanken schwarzen Augen auf. „Was ist denn, Zizi, du siehst so traurig aus?“ „Ach, sieh doch nur, Delphi, ich muss unbedingt diesen Umhang reparieren; aber ich bin so ungeschickt. Was hast du es nur gut, dass deine Federn immer nachwachsen. Ich finde das viel praktischer!“ „Das sagst du so, Zizi; aber du hast keine Ahnung, wie das juckt und weh tut, wenn die neuen Federn durch die Haut kommen!“ „Wirklich? Das hätte ich nie gedacht, armer Delphi! Woran denkst du jetzt, du bist so nachdenklich.“

„Hat du mal versucht, den Spinnen zuzusehen, Zizi. Die sind doch den ganzen Tag dabei und flicken ihre Spinnennetze? Vielleicht kannst du es von ihnen lernen.“ „Du bist doch ein zu kluger Vogel, Delphi. Wieso bin ich noch nie selbst darauf gekommen. Spinnen haben wir ja reichlich hier.“

Damit stand Zizi auf und sah gleich neben sich ein großes Spinnennetz, in dem Minnie, die Spinne, emsig auf und ab turnte, um das Netz zu flicken.“ So genau hatte sich Zizi eigentlich noch nie ein Spinnennetz angesehen. Deshalb staunte sie jetzt um so mehr und bewunderte das zarte Kunstwerk.

Gleichzeitig versuchte sie den verzweifelten Blicken einer gefangenen Mücke auszuweichen, die ein Opfer der klebrigen Fäden geworden war.

„Minnie,“ so fing sie zögernd an „würdest du mir wohl zeigen, wie ich meinen Umhang flicken kann. Sieh mal, hier ist ein großer Riss.“ Minnie rollte ihre hervorstehenden Augen. „Das ist furchtbar einfach, Zizi. Warte nur einen Moment, ich bin gleich da.“ Sofort spann sie einen Faden, auf dem sie auf den Umhang kam, bewegte ihren Hinterleib über dem Riss hin und her, bis die beiden Seiten ineinander verschmolzen waren.

„Also, das ist ja besser als Hexerei und man kann die Stelle gar nicht mehr sehen. Das hast du ganz toll gemacht, liebe Minnie! Vielen Dank!“ Zizi warf der armen Mücke noch einen schuldbewussten Blick zu. Eigentlich hatte sie Minnie noch bitten wollen, die Ärmste zu befreien; aber sie wusste nur zu gut, dass sie sich nicht in die Natur einmischen durfte und wandte sich traurig ab. Es war ihr ja auch bekannt, dass sogar ihr lieber Delphi sich gern Mücken fing, genau wie ihre Freunde, die Bussarde und Eulen Mäuse und Frösche jagten. Nein, sie wollte jetzt nicht über so traurige Sachen nachdenken, sondern sich freuen, dass ihr Umhang wieder in Ordnung war.

Sie wandte sich Delphi zu „komisch, Delphi, es ist heute so still, wo sind denn bloß alle unsere Vögel?“ „Ich glaube, die meisten sind auf der großen Düne bei Woolacombe, ich habe ein paar Möwen gesehen, die sehr aufgeregt waren, und sie wollten auch dorthin.“

Schon wollte sich Zizi wundern, weshalb sie nichts davon wusste, als Shinga von der Insel Lundy mit gesträubten Federn vor ihnen landete.

„Du hast mir aber einen Schreck verpasst. Was ist denn, Shinga, ist alles in Ordnung? Du bist ja ganz aus der Puste!“ Shinga war so aufgeregt, dass Zizi ihr Krächzen kaum verstehen konnte. Zizi legte dem großen Vogel besänftigend ihre Hand an den Hals und wollte sie streicheln; aber Shinga schüttelte sie ungeduldig ab „dafür ist jetzt keine Zeit, wir alle sind in furchtbarer Gefahr. Wir müssen sofort zu den anderen, um zu beraten. Zizi, wir brauchen deine Hilfe wie nie zuvor.“

„Kannst du mir denn nicht sagen, was los ist, Shinga?“ „Nein, das dauert zu lange, vergiss deinen Zauberstab und Delphi nicht und kommt schnell!“

Zizi setzte den kleinen Vogel auf ihre Schulter und faltete sorgfältig ihren Umhang darüber. Den Zauberstab hielt sie sicher in einer Hand und klammerte sich mit der anderen in Shingas dichten Federn fest. Ohne lange zu warten flog die Möwe hoch und nahm Richtung auf das Meer. Über dem weiten Strand von Woolacombe sah Zizi schon in den Dünen, dass sich viele Vögel hier versammelt hatten und erkannte einige von ihren Freunden.

Wie schon so oft bewunderte sie den herrlichen Strand, der jetzt menschenleer war - die blaugrünen Wellen, die sich höher und höher auftürmten, um dann als weißer Schaum in der Brandung im Sand zu verlaufen. Davor lag die geheimnisvolle Insel Lundy, die noch vor nicht allzu langer Zeit als Seeräuberinsel berüchtigt gewesen war.

Jetzt war sie Naturschutzgebiet für Tauchpapageien. Das umliegende Meer war ein Paradies für Kaltwasserkorallen, Seesterne und vieles mehr. Aber Zizi hatte selbst voller Kummer feststellen müssen, dass auch hier die Umweltverschmutzung nicht Halt machte und Fische sowie Seehunde gefährdete. Sie erinnerte sich oft daran, welche Angst sie gehabt hatte, als die jungen Seehunde, Slip und Slap sich in das alte Netz verstrickt hatten.

Sie wandte ihren Blick wieder den versammelten Vögeln zu und wunderte sich, dass unter ihnen nicht nur Seevögel, sondern auch Bussarde, Eulen und Singvögel waren. Es dauerte nicht lange, bis eine ehrwürdige, alte Möwe das Wort ergriff:

„Wieder einmal müssen wir einer großen Gefahr entgegensehen und versuchen, nicht nur uns, sondern auch unsere Freunde im Meer davor zu schützen. Es geht ein Gerücht um, dass eine große Anzahl von den gefürchteten Windrädern, die täglich hunderte von uns töten, im Meer errichtet werden soll. Noch viel höher und noch viel größer als die, welche uns hier an Land bedrohen.

Unsere Freunde, die Tauchpapageien haben beobachtet, dass Taucher das Gebiet um unsere Insel Lundy erforschen und Proben vom Meeresboden entnehmen. Das hat auch Thermidore, der Hummer bestätigt, der beinah dabei gefangen wurde. Wir wissen nicht, wie wir uns dagegen wehren können.

Aber es ist ganz sicher, wenn noch mehr dieser schrecklichen Todesräder aufgestellt werden, kommen mehr und mehr von uns um. Auch unsere Seehunde und Delphine sind in äußerster Sorge und Angst. Nicht viele von euch wissen, dass Delphine sehr empfindliche Ohren haben und unter Lärm schwer leiden müssen, krank werden und sterben.

Ihr alle kennt den alten Finn, der bei Lundy lebt und euch manchen Fisch zugespielt hat. Wir haben auch nicht vergessen, wie treu er für die beiden kleinen Seehundwelpen gesorgt hat, als sie ihren Vater verloren hatten. Ist es nicht furchtbar traurig, dass auch er dann nicht mehr hier leben kann?

Wir alle müssen nachdenken, was wir wohl machen können, um diese Gefahr abzuwenden. Shinga hat ihre Freundin, die kleine Hexe Zizi zu uns gebracht. Sie hat schon so vielen von uns geholfen und wir vertrauen, dass sie uns auch in dieser großen Not beistehen wird. Zizi, willst du uns bitte deinen Rat geben!“

Die arme Zizi war ganz entsetzt, dass sie zu allen diesen Vögeln sprechen sollte und dann noch über ein so wichtiges Problem. Sie wusste nur zu genau, besonders auch von ihrer lieben, alten Dame, wie verhasst die Windturbinen in Devon waren und was für unermesslichen Schaden sie anrichteten. Die armen Menschen, in deren Nähe sie erbaut waren, litten furchtbar unter dem Geräusch und dem Glitzern der Riesenräder. Und nicht nur das! Wenn sie es nicht mehr ertragen konnten und sie versuchten, ihre Häuser zu verkaufen, um wegzuziehen, war es unmöglich Käufer zu finden, und sie verloren alles, wofür sie ein Leben gespart hatten. Was sollte sie nur sagen, um allen ihren Freunden, Hoffnung zu machen? Fest schloss sie ihre kleine Hand um den Zauberstab. Würde ihre Feenmutter ihr wohl beistehen? Sie stand auf, räusperte sich und begann.

„Ihr alle wisst, wie gern ich euch helfen will; aber ich bin so entsetzt, dass mir jetzt einfach nichts einfällt. Auch weiß ich leider, welche Macht die großen Gesellschaften haben, die diese Windräder bauen. Meine alte Dame, in deren Garten ich schon lange lebe, hat viel gegen diese Bauwerke gekämpft. Ganz selten nur hatte sie mit ihren Freunden Erfolg.

Die Menschen, die dahinterstehen, haben so viel Geld und Einfluss, dass sie meistens ihren Willen bekommen. Aber ich verspreche euch ganz fest, dass ich mein Bestes versuchen und dann mit Shinga eine Botschaft senden werde.“ Sie setzte sich wieder und sah Delphi fragend an. Der kluge, kleine Vogel sah sie ermunternd an und zwitscherte ganz leise. „Das hast du aber wirklich gut gemacht, Zizi, ich bin richtig stolz auf dich. Warte nur, uns wird bestimmt etwas einfallen, denk doch nur an den Teich in deinem Garten und Nauti!“

Zizi war froh, dass Delphi bei ihr war, aber was die Windräder mit der Gefahr für ihren Teich und den gefährlichen Hexen von Dartmoor zu tun hatten, konnte sie sich wirklich nicht vorstellen. Sie wollte auch nicht mehr daran denken, es war zu schrecklich gewesen.

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