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Leseprobe:
Mysteria - Der Weg zur Unterwelt,
von Lexi Raven

Prolog

Es war eine stürmische, wolkenverhangene Nacht. Wind, der stark genug war, um Bäume zu entwurzeln, fegte über die Ländereien. Es regnete, und Blitze zuckten über den sonst so rabenschwarzen Nachthimmel. Keine Menschenseele war draußen unterwegs.

Wer wäre auch so wahnsinnig, sich bei diesem Wetter im Freien aufzuhalten?

Auf den Klippen, an denen sich das kalte tosende Wasser des Meeres brach, stand eine Gestalt. Ihre fragile Statur wurde von einem weißen Umhang umhüllt und die Kapuze fiel ihr tief ins Gesicht. Sie stand wie versteinert da, als könne ihr der Sturm nichts anhaben, und starrte hinauf in die tiefschwarzen Wolken. Es schien fast so, als würde sie auf etwas warten, doch am Himmel zeigte sich keine Regung. Hin und wieder zuckte ein greller Blitz über den Himmel, dicht gefolgt von einem grollenden, markerschütternden Donner. Doch die Gestalt auf der Klippe schien all dies nicht zu stören. Es war, als würde sie all dies nicht wahrnehmen.

Eine Ewigkeit stand sie da wie eine Statue, bis sich etwas tat. Eine Gestalt durchbrach die Wolkendecke und gab den dahinterliegenden Sternenhimmel frei. Anmutig und grazil glitt die geflügelte Kreatur auf die Klippen zu. Als ihre Hufe den Boden berührten, türmten sich die Wellen und klatschten stärker als zuvor gegen die alten, grauen Felsen. Das Geschöpf trat ins Mondlicht, und ein großer, pechschwarzer Hengst war zu erkennen. In seinen fedrigen Flügeln zeichneten sich die Sterne des Nachthimmels ab. Der Hengst schritt auf die Gestalt im Umhang zu, die sich die Kapuze vom Kopf zog. Ihr weißblondes, langes Haar fiel ihr über die Schultern. Sie war eine hochgewachsene Frau mit elfenbeinfarbiger Haut, die im Mondlicht perlmuttweiß schimmerte. Sie war dürr, und durch ihr ovales Gesicht stachen ihre Wangenknochen heraus. Ihre dichten schwarzen Wimpern, die im Kontrast zu ihrer hellen Haut standen, umrandeten ihre eisblauen Augen. „Sei gegrüßt, Pegasos, mein alter Freund.“ Der Hengst neigte anmutig den Kopf: „Du hast mich rufen lassen, Helena. Was bedrückt dich?“ Die Frau schenkte ihrem Gesprächspartner ein müdes Lächeln: „Dieser immer wiederkehrende Albtraum. Immer wieder ist da diese Dunkelheit. Sie schleicht leise und lautlos übers Land. Der Frieden wird nicht ewig währen. Und auch wenn Anubis nun nicht nur die Seelen über die Grenze ins Jenseits bringt, sondern auch die Unterwelt bewacht, so weiß ich nicht …“ Pegasos unterbrach ihr wirres Gerede: „Anubis schafft es schon, die Unterwelt zu beherrschen, und das Friedensabkommen schützt nun alle. Du bist eine Heilige!“ „Und was ist, wenn ich nicht mehr bin? Wenn sich alles zum Schlechten wendet wie in meinen Visionen?“ Ihre Stimme zitterte. Doch das Pferd stupste sie sanft an: „Das wird nicht passieren, und selbst wenn, dann sind Roberto und ich noch da, um dies zu verhindern.“ „Ich weiß, du hast ja recht …“

Mit einem Mal riss die Wolkendecke erneut auf. Doch diesmal kam kein geflügeltes Pferd. Nein, ein heller Lichtstrahl traf auf den Felsen und tauchte alles in ein goldenes Licht. Sofort durchflutete eine angenehme Wärme den Körper der jungen Frau. Eine Stimme drang zu ihr: „Wenn die Finsternis sich erneut erhebt und der Himmel sich verdunkelt, werden zwei Krieger, geboren zur Zeit des Sternenschauers, auftauchen. Blut des alten Blutes. Sie werden die Stämme vereinen und Licht in die Dunkelheit tragen.“ Immer wieder hallte der Satz in ihrem Kopf wider. Wie bei einer Schallplatte mit Sprung.

Die Wolken zogen sich wieder zu und die Kälte kam zurück. Die Augen der jungen Frau verdrehten sich, ehe sie bewusstlos zu Boden sank. Der Hengst sah schockiert zu seiner Freundin hinab: „Helena? Helena!“ Ihre Augen waren geschlossen und ihre üppigen Locken bedeckten in Wellen den kalten Stein.

Ein Mann, der seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte, kämpfte sich gegen den Wind hinauf auf die Klippen. Sein Blick war starr auf den schwarzen Hengst gerichtet. Dieser hatte ihn nun auch erkannt und sah hilfesuchend zu ihm hinüber: „Roberto! Schnell! Mit Helena stimmt was nicht.“ Der junge Mann sah in die verängstigten Augen des Hengstes und sprach mit ruhiger Stimme: „Alles gut, Pegasos. Ich bin ja da!“ Er ließ sich neben der blonden Frau auf den Boden sinken und strich ihr vorsichtig die Haarsträhnen aus dem Gesicht: „Helena, können Sie mich hören?“

Die Augenlider der Frau begannen zu flattern, ehe sie sich wieder öffneten. Verwirrt blickte sie in zwei graue Augen. „Roberto! Wo … wo bin ich? Autsch!“, sie hielt sich ihren schmerzenden Hinterkopf. Pegasos trat auf sie zu und stupste sie sanft an: „Du bist umgefallen, nachdem du in den Himmel gestarrt hast.“ Plötzlich fiel ihr ihre Vision wieder ein. „Wenn die Finsternis sich erneut erhebt und der Himmel sich verdunkelt, werden zwei Krieger, geboren zur Zeit des Sternenschauers, auftauchen. Blut des alten Blutes. Sie werden die Stämme vereinen und Licht in die Dunkelheit tragen“, wiederholte sie die Worte. Der junge Mann sah sie verwirrt an: „Was reden Sie da? Haben Sie sich den Kopf so hart gestoßen?“ Doch Helena schüttelte den Kopf, dass er schmerzte, ignorierte sie: „Ich … ich glaube, ich hatte eine Vision. Roberto, Pegasos. Ihr müsst mir eines versprechen.“ Die beiden sahen sie erwartungsvoll an. Dann sprach sie weiter: „Ihr müsst meine Enkel beschützen. Ich werde eines Tages sterben. Ihr lebt ewig!“

„Versprochen!“, sagte Pegasos und Roberto nickte zustimmend. Und was auch immer passieren würde, dieses Versprechen würden sie halten.

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