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Leseprobe:
Insel Amrum - Traum und Inspiration,
von Rudolf-Georg Nicklau und Wellem Peters

Die Insel Amrum (Öömrang) ist eine Nordfriesische Insel. Mit einer Fläche von 20,46 km² ist sie die zehntgrößte Insel Deutschlands. Im Westen grenzt Amrum an den unmittelbar vorgelagerten Kniepsand, der in die offene Nordsee übergeht, im Osten an das Wattenmeer. Die östliche Nachbarinsel Föhr kann in Höhe der Odde bei Niedrigwasser über eine circa acht Kilometer lange Wattwanderung (Abb. Seite 33) erreicht werden. Die Wattfläche zwischen den beiden Inseln wird zentral durch das Amrumtief durchschnitten, das nach Süden in die Norderaue mündet. Von der nördlichen Nachbarinsel Sylt ist Amrum durch das Vortrapptief (Abb. Seite 55) getrennt, von den Halligen im Süden durch das Rütergat.

Die fünf Orte der Insel (etwa 2.300 Einwohner) sind – von Nord nach Süd – Norddorf, Nebel, Süddorf, Steenodde und Wittdün. Wer mit der Fähre oder dem Schiff nach Amrum kommt, lernt als erstes Wittdün kennen, die auf einer Landzunge im Süden der Insel liegt.

Amrum gehört neben Sylt und Föhr zu den drei nordfriesischen Geestkerninseln. Der Geestkern von Amrum ist etwa 6 km lang und 2,5 km breit und wird von einer flach gewölbten, eiszeitlichen Moräne gebildet, die vor etwa 125.000 Jahren entstand. Sowohl die ostfriesischen- als auch die westfriesischen Inseln besitzen allesamt keinen Geestkern, sind also Sand- bzw. Marschinseln. Die Inseln weiter nach Norden (Dänische Wattenmeerinseln) sind wieder frei von Geestkernen und bestehen fast ausschließlich aus Sand. Im Norden und Süden dieses Geestkerns entstanden Sandakkumulationen und im mittleren Teil der Kniepsand, dessen Fläche rund 10 km² beträgt. Der Sandflug hat seit dem 13./14. Jahrhundert auf Amrum zur Bildung von 9 km² Dünen geführt. Höchste Erhebung ist die Düne A Siatler (deutsch: Setzerdüne) mit 32 Metern über Normalhöhe Null (NHN). Sie liegt südwestlich von Norddorf und ist mit einer Plattform als Aussichtsdüne ausgebaut.

Auf dem Geestrücken liegen Wald- und Heidegebiete, die im Wesentlichen einen Streifen in Nord-Süd-Richtung bilden. Westlich davon befindet sich über die gesamte Länge der Insel ein Dünengebiet. Die maximale Breite dieses Gebietes beträgt über einen Kilometer, die Länge etwa zwölf Kilometer. Aufgrund ausgedehnter Schutzgebiete sind die Amrumer Dünen die einzigen der Westküste, die von Möwen und Enten zum Brüten genutzt werden.

Nach Norden hin läuft das Dünengebiet zur Odde aus. Westlich des Dünengürtels schließt sich auf ganzer Länge der Kniepsand an. Er stellt einen der breitesten Sandstrände Nordeuropas dar. Er ist weder geologisch Teil der Insel, noch gehört er, da er verwaltungstechnisch als Meeresgebiet gilt, mit seiner Fläche zu den Inselgemeinden. Er ist ein Hochsand, der noch bis Mitte der 1960er Jahre von Amrum durch einen Priel getrennt war. Im Juli 2018 konnte man feststellen, wie schnell der Kniepsand in Höhe Nebel durch starken Wind an Höhe gewonnen hat.

Die Windmühle von Amrum steht auf der höchsten natürlichen Erhebung nahe Nebel und gilt als Wahrzeichen der Insel. Die Windmühle ist seit 1967 denkmalgeschützt und noch komplett mit den Mahlgängen ausgestattet. Die derzeit älteste Mühle Schleswig-Holsteins beherbergt ein Heimatmuseum und wechselnde Ausstellungen.

Der Seefahrer Erk Knudten kaufte 1770 in Holland, vermutlich Amsterdam, einen achteckigen „Erdholländer“, den er per Schiff nach Amrum schaffte. Es wurde in Holland alles abgebaut, beschriftet und seefest verpackt und auf die Reise gebracht. Die Mahlsteine sind vermutlich über Kontakte mit Föhrer Müllern nach Amrum gelangt. Die Verkleidung der Mühle wurde auf Amrum in Reet neu gefertigt. Die Windmühle wurde 1770–1771 auf der höchsten Erhebung des Ortes gebaut. Da der Waldbestand zu jener Zeit wesentlich kleiner war als heutzutage, konnte man die Mühle aus allen Himmelsrichtungen sehen. Daraus ergab sich auch ihre anfängliche Bedeutung als „Seezeichen“ und Orientierungshilfe für vorbeifahrende Schiffe an der Westseite der Insel.

Als der erste Müller 1792 die Mühle an seinen Sohn übergab, war es noch nicht möglich, vom Mahlen von Graupen, Grütze und Korn allein zu leben, folglich betrieben die Müller nebenher auch Landwirtschaft auf den angrenzenden Flächen. Nachdem Erk Knudten verstorben war, wurde der älteste Sohn, der die Mühle bereits betrieb, zum Erben ernannt und die Geschwister sollten ausbezahlt werden. Dies war Martin Erken nach jahrelanger Müllertätigkeit jedoch nicht möglich und so übernahm eine seiner Schwestern, die einen reichen Landbesitzer geheiratet hatte, die Mühle. Als ihr Mann verstarb, überließ sie die Müllertätigkeiten ihrem Schwiegersohn Hans Tychsen und dem Müllergesellen.

Die Kirche St. Clemens. Wir schreiben das Jahr 1236. Die Bewohner der damals einzigen Dörfer Norddorf und Süddorf beraten über den Platz für eine Kirche, die das Patrozinium des Heiligen Clemens von Rom (um 80 n. Chr.) als Schutzpatron der Seeleute tragen soll.

Da man sich nicht einigen konnte, in welchem der Dörfer die Kirche erbaut werden sollte, einigte man sich auf eine Stelle zwischen den beiden, jedoch näher an Süddorf. Schlicht und am Anfang ohne Turm bauten die Amrumer ihre Kirche. Sie statteten die Kirche mit mittelalterlicher Kirchenkunst aus. Das Resultat ist ein kelchförmiges Taufbecken aus Granit, geschnitzte Apostelfiguren (Abb. Seiten 20/21), die vermutlich nach der 1. Mandränke 1362 angeschwemmt wurden, ein ausgemalter Schrank für Sakramente und manches mehr.

1634, nach der 2. Mandränke, stifteten die Insulaner aus Dankbarkeit für ihr Überleben in der Sturmflut ein Altarbild. Im Jahr 1908 wurde der 36 Meter hohe, kupfergedeckte Kirchturm mit einer größeren Glocke hinzugefügt. Betritt der Besucher die Kirche, fällt sein Blick auf die Apostelgruppe (Seite 20/21) und auf einen Kronleuchter aus dem 18. Jh. Er stammt aus der Halle eines holsteinischen Gutshauses, dessen Besitzer nach Südafrika auswanderte. Größe, Form und in der Gestaltung der Leucht- und Zierarme harmonieren gut mit den beiden älteren Leuchtern.

1960 wurde er mit zwei Wandleuchtern durch Spenden erworben. Den zweiten Kronleuchter in der Mitte des Kirchenschiffes stiftete 1671 der Grönlandkommandeur Boy Karstens, einem Enkel des Pastors Tycho Frudson (1574 - 1630 auf Amrum). Dies tat er aus Dankbarkeit für eine erfolgreiche Grönlandreise.

Der dritte Leuchter im Chorraum soll den gleichen Ursprung haben, wie Boy Karstens Leuchter. Er wurde 1685 von Jacob Flor gestiftet. Einer der 7 Söhne des Pastors Martin Flor (1629 - 1686 Pastor auf Amrum). Er starb im Alter von 38. Bei Renovierungsarbeiten fanden die Arbeiter 1936 seinen Grabstein unter dem Fußboden des Nord Einganges. Seitdem steht er an der Südseite des Turmes. 1960 wurde die Kirche ein weiteres Mal grundrenoviert.

Die Kirche ist umgeben mit einem der zwei Friedhöfe für Amrumer. In der Nordwestseite des Friedhofs stehen rund 150 Grabsteine aus der Zeit von 1670 bis 1830, die sogenannten „Sprechenden Grabsteine von Amrum“ (Abb. Seite 18-19). Neben Schiffsdarstellungen und aufwendiger Ornamentik „sprechen“ diese in den Grabsteinen gemeißelten Texte über das Leben der Verstorbenen. Ein Beispiel jüngerer Zeit ist auf Seite 18-19 zu lesen. 90 der Grabsteine stehen unter Denkmalschutz.

Die Geschichte von Amrum geht bis in die Jungsteinzeit (Neolithikum - 5000 bis 2000 vor Chr.) zurück. Heute sind von Grabhügeln noch Spuren bei Nebel und Steenodde zu sehen. Bei der Vogelkoje am Weg zum Quermarkenfeuer sind Reste eines eisenzeitlichen Dorfes erhalten. In den letzten Jahren wurde dort ein Haus aus der Eisenzeit nachgebaut (Abb. Seite 81). Die Friesen kamen im Mittelalter (zwischen 6. und 15. Jh. n. Chr.) nach Amrum. Fischfang, insbesondere der Walfang und Schifffahrt waren die Haupteinnahmequellen. Die historischen Grabsteine auf dem Friedhof in Nebel (Abb. Seite 18-19) erzählen dazu viele Geschichten. Der Tourismus auf Amrum begann am Ende des 19. Jahrhunderts und ist heute Haupterwerbszweig.

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