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Leseprobe:
Fichtengrab,
von Marjon Zajak

Ein schwarz lackiertes Motorrad näherte sich langsam einem SUV, dessen Fahrer rauchend am Fahrzeug lehnte. The Man in Black mit schwarzem Helm und schwarzem Lederkombi hielt neben ihm an. Er öffnete das Visier. Das Motorrad brubbelte im Leerlauf weiter.

„Der Sattelzug steht auf einem Parkplatz in der Nähe der Fabrik. Den genauen Standort und sämtliche Infos hast Du auf deinem Handy. Die Papiere liegen im LKW“, sagte der Mann auf dem Motorrad. Durch den Helm klangen seine Worte gedämpft und hohl, so als hätte jemand die falschen Regler für die Klangfarbe abgemischt. Er zog eine Keycard aus der Tasche seines Kombis und hielt sie dem SUV Fahrer hin.

„Läuft“, sagte dieser, während er die Karte nahm und einsteckte. Beide verließen den Treffpunkt, ohne ein Wort, ohne Spuren zu hinterlassen, ohne gesehen zu werden.

Um fünf Uhr am nächsten Morgen, setzte sich der Sattelzug in Bewegung und rollte zum beladen auf das Fabrikgelände. Es lief alles nach Plan. An der Pforte hatte es keinerlei Probleme mit den Papieren zum Abholen der Fässer D 406 gegeben, die zur Chemischen Abfallentsorgung nach Rostock gebracht werden sollten. Als Smokey den Sattelzug langsam an die Laderampe fuhr, um die Europaletten mit den 120 Liter Fässern zu laden, hatte die Nikotinbestie, die bei Nervosität und starker Anspannung in seinem Kopf zu wüten begann, sämtliche Synapsen zerbissen. Seine Hände wurden feucht, Schweißperlen sammelten sich auf seiner Stirn. Er riss die Tür auf, sprang aus der Fahrerkabine, fingerte nervös eine Zigarette aus der Schachtel und zündete sie an. Noch bevor er einen Zug nehmen konnte, um die Nikotinbestie in seinem Kopf zu beruhigen, sagte eine Stimme hinter ihm: „ Sie dürfen hier nicht rauchen. Machen Sie bitte sofort die Zigarette aus. Haben Sie die - Rauchen verboten – Schilder nicht gesehen?“

Er traute seinen Ohren nicht. Schnell nahm er noch einen Zug, bevor er die Zigarette auf den Boden schmiss. „Sorry“, murmelte er und natürlich hatte er die – Rauchen verboten – Schilder gesehen und genau das hatte die Sache nur noch schlimmer gemacht. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Sattelzug beladen war, die zuständigen Papiere ausgehändigt wurden und er vom Hof fahren konnte.

„Endlich rauchen“, dachte er, als er auf den nächst besten Parkplatz Halt machte. Beim Aussteigen hatte er schon eine Zigarette im Mund und das Feuerzeug in der Hand. Beim Anzünden fraß sich die Flamme knisternd durchs Papier und brachte den Tabak zum Glühen. Gierig stülpten sich seine Lippen über den Filter. Lange und tief zog er den Rauch in seine Lunge. Wie das Lauffeuer einer Zündschnur wanderte die Glut bis zur Hälfte der Zigarette.

Schnell nahm der Körper das Nikotin auf und in Windeseile verwandelte sich die Nikotinbestie in ein schnurrendes Kätzchen. Er rauchte schon viel zu lange und viel zu viel, was ihm auch den Spitznamen Smokey eingebracht hatte. Schon einige Male hatte er versucht mit dem Rauchen aufzuhören, aber ohne Erfolg. Er machte, die mittlerweile zweite Zigarette, in kürzester Zeit aus, öffnete den Frachtraum und kletterte hinein. Smokey schloss die Tür hinter sich, machte das Licht an und begann mit einem Permanent Marker aus der D 406 eine D 408 zu machen. So wie es die Papiere verlangten.

„Nur gut das sich aus der 6 so gut eine 8 machen lässt“, dachte Smokey nach einer Stunde Arbeit. Er verschloss den Frachtraum wieder und machte sich auf den Weg nach Hamburg. Dort angekommen, folgte er dem angegeben Weg auf seinem Handy, der ihn zum Containerterminal brachte. Dort wurde er von einem Mann in Empfang genommen auf dessen Warnweste G2 stand. Dieser überreichte ihn ein Din A5 Kuvert und einen Zettel mit der Nummer CR3/1. Smokey fuhr durch die Schranke auf das Terminalgelände. Schnell hatte er Containerreihe 3/1 gefunden. Ein Mann auf dessen Warnweste G3 stand, gab ihm zu verstehen, dass die Fracht nun in den Container umgeladen wird. Alles lief genauso wie es The Man in Black vorbereitet hatte. Smokey schrieb ihm kurz eine Nachricht und machte sich auf den Heimweg, natürlich nicht ohne die Nacht auf der Reeperbahn verbracht zu haben.

Die Fahrten nach Hamburg fanden so oft statt, bis auch das letzte Fass D 406 den Hof von Chemico verlies um „Vorschriftsmäßig entsorgt“ zu werden. Dabei wechselten die Fässer und die Din A5 Kuverts jeweils ihre Besitzer. Smokey stand vor seiner Haustür, rauchte und sah in den Sternenhimmel, als sich sein Handy meldete. The Man in Black hatte ihm eine Nachricht geschickt.

Alter Treffpunkt in einer Stunde

Wieder einmal, wie schon so oft, stand Smokey am Treffpunkt im Wald. Wartete, rauchte und lehnte dabei lässig am SUV. Er hatte sich über die Nachricht gewundert, da es eigentlich nichts wichtiges mehr zu besprechen gab. Auch war der Zeitpunkt äußerst ungewöhnlich, es war ein Uhr Nachts. Doch in wenigen Minuten würde er mehr erfahren. Ein einzelnes Licht beleuchtete den Waldweg und kam auf Smokey zu. The Man in Black, diesmal nicht im schwarzen Lederkombi sondern in Jeans und dunkelroter Jacke, hielt an, sprang vom Motorrad und riss sich den Helm vom Kopf.

„Verdammt nochmal Du Idiot was hast Du gemacht“, brüllte er, packte Smokey am Kragen und knallte in gegen die Wagentür. „Bist Du irre geworden“, schrie Smokey zurück und stieß ihn von sich weg. „Hier lies“, der Mann mit dem Motorrad hielt ihm einen Zeitungsartikel hin. Noch während des Lesens entfuhr Smokey ein fassungsloses „Ach du Scheiße.“

„Aber die Unterlagen sind sauber hast Du zu mir gesagt. Dann kann uns doch nichts passieren.“ „Die Unterlagen in meiner Firma schon, nur nicht die in Rostock. Die hätten auch niemanden interessiert wenn Du Blödmann keinen Fehler gemacht hättest und irgend so ein Arsch in Rajastan nicht dahinter gekommen wäre“ „Was heißt das jetzt für uns?“ „Was das für Dich heißt weiß ich nicht. Ist mir auch ziemlich egal. Ich für meinen Teil habe für so einen Fall vorgesorgt und habe einen Exitplan.“ „Was ist mit meiner restlichen Kohle.“

„Habe ich sicher aufbewahrt“, sagte sein gegenüber maliziös und ließ einen Schlüssel mit einem schwarzen Schaf als Anhänger vor Smokeys Augen hin und her schaukeln, als wolle er ihn hypnotisieren. Smokey griff nach dem Schlüssel, doch der Motorradfahrer ließ ihn in seiner Hand verschwinden.

„Das kannst Du ganz schnell vergessen. Ich hatte das größte Risiko und die meiste Arbeit und wenn Du keinen Fehler gemacht hättest, müsste ich jetzt nicht verschwinden. Also vergiss die Kohle, Du Dilettant“, sagte er, drehte sich um und ging zu seinem Motorrad.

Smokey kochte vor Wut. Er schnappte sich ein zugeschnittenes Stück Stammholz, von einem Stapel der am Waldrand lag und schlug zu. Es gab ein dumpfes Geräusch als das Holz mit voller Wucht den Kopf traf. Der getroffene fiel vorn über und blieb regungslos liegen. Ungläubig stand Smokey da und starrte auf den am Boden liegenden.

„Hey, mach kein Scheiß und steh auf“, sagte Smokey und stupste mit seiner Schuhspitze den reglosen Körper leicht in die Seite. Keine Reaktion.Mit leichtem Druck legte Smokey zwei Finger in die kleine Grube zwischen Kehlkopf und Halsmuskulatur, doch es war kein pulsieren der Arterie zu spüren

„Fuck, der ist hin“, sagte Smokey und suchte hektisch in seiner Hosentasche nach seinen Zigaretten. Er zündete sich eine an und dachte nach. Er musste den toten und das Motorrad los werden. Doch wie sollte er das anstellen, da kam ihm eine Idee. Er hievte den toten Körper in den Kofferraum seines SUV´s, dabei fiel dem Toten der Schlüssel mit dem Anhänger aus der Tasche und landete auf dem Waldboden. Smokey schloss den Kofferaumdeckel und hob den Schlüssel auf. Er drehte ihn in seinen Fingern hin und herund sah ihn sich genau an. Der Schlüssel hatte eine Gravur, doch damit konnte Smokey nichts anfangen.

„Mist, verdammter, jetzt habe ich den Schlüssel, komme aber trotzdem nicht an meine restliche Kohle, weil ich nicht weiß zu welchem Schloss der Schlüssel gehört“, sagte Smokey ärgerlich als er in den Wagen stieg und warf den Schlüssel achtlos auf den Beifahrersitz.

„Erst kümmere ich mich mal um das Motorrad und dafür brauch ich meinen Anhänger“, sagte Smokey zu sich selbst und drehte dabei den Zündschlüssel um. Rasant fuhr er den Waldweg entlang, bog zweimal ab und stand vor seiner Holzhütte im Wald. Er befestige den dort von ihm abgestellten Anhänger, den er gewöhnlich zum Holz Transportieren nahm. Mit der gleichen Geschwindigkeit fuhr er zurück zum Treffpunkt. Er lud das Motorrad auf und entschied sich dafür die Kawasaki zur Hütte zu bringen und in die Lücke zwischen Rückwand der Hütte und einem Stapel aufgeschichtetem Brennholz zu verstecken, bis er wusste wo er das Motorrad am besten verschwinden lassen konnte.

Wie hatte er sich aufgeregt als er gesehen hatte, dass sein Vater, beim Holzstapeln, so einen unnötigen Spalt gelassen hatte. „Wegen der Luftzirkulation hatte er gesagt.“ Jetzt war er froh, dass die Luft zirkulieren und er das Motorrad verstecken konnte. Er warf noch eine grüne Abdeckplane über die Kawasaki, stellte den Anhänger wieder neben die Hütte und machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Plätzchen für seine Fracht im Kofferraum.

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