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Leseprobe:
Einmal Vampir, immer Vampir,
von Luna Nessa

Vampier

Ich stand an die Wand gelehnt da und beobachtete die tanzende Menge. Ich kam mir so überflüssig vor. Ich hatte Noelle hierher begleitet, weil sie nicht alleine gehen wollte, und nun war ich hier allein. Unfair! Sie tanzte mit einem Mann nach dem anderen, und ich stand nun seit knapp einer Stunde hier rum. Ich seufzte innerlich. Da hatte ich mir nun dieses sauteure Kleid geliehen, für 100 GBP (brit. Pfund), und da forderte mich niemand auf. Sauerei! Ich war verdammt neidisch auf Noelle, aber ich würde es überleben, und ich würde nie wieder auf einen Ball gehen. Mein Ego spielte mit dem Gedanken zu gehen oder gar alleine zu tanzen, aber mal ganz ehrlich. Wie erbärmlich würde ich dann aussehen? Dann könnte ich mich auch hier einfach ausziehen.

Ich seufzte erneut und ließ den Kopf hängen. Warum konnte ich ihre Bitte nur nicht abschlagen? „Darf ich um diesen Tanz bitten?“ Verwundert hob ich den Kopf, wer sprach mich denn hier an? Ich musterte den Mann neben mir und wiederholte seine Frage. Verwirrt sah ich ihn an und zeigte mit dem Finger auf mich. Der Mann nickte und reichte mir seine Hand, zögernd legte ich meine Hand in seine. Er führte mich auf die Tanzfläche. Ich bekam sofort ein ungutes Gefühl, ich wollte aufgefordert werden, konnte aber nicht tanzen? Wie schäbig.

„Ich kann aber nicht wirklich gut tanzen“, meinte ich entschuldigend. Er brachte mich in die richtige Haltung und lächelte wieder. Wurde ihm sein Lächeln festgeklebt? Aber es war ansteckend und nahm mir sogar meine Unsicherheit. „Haben Sie denn schon einmal mit mir getanzt?“ Verlegen schüttelte ich den Kopf. „Woher wollen Sie also wissen, ob Sie es können oder nicht?“ Ich zuckte mit den Schultern und meinte, er solle mich nicht siezen. Dabei käme ich mir so schrecklich alt vor. Er lachte und meinte, dass ich ihn natürlich auch duzen müsse. Auch wenn er schon alt sei. Irritiert sah ich ihn an. Dieser Mann und alt? Ganz und gar nicht! Aber ich nickte trotzdem, und die Musik schien direkt in meine Füße zu gehen. Er wirbelte mich herum, zog mich zu sich und führte uns im Kreis. Ich wusste gar nicht, dass Tanzen so einen Spaß machen kann. Ich fühle mich so leicht, von allem Gewicht der Welt befreit. Es war großartig.

„Nun, wie heißt denn die schöne Dame?“, fragte er. Ich lächelte, um die aufsteigende Röte abzuschwächen, die sich in mein Gesicht schlich. „Isabell. Mein Name ist Isabell.“ „Sehr erfreut“, erwiderte er. Doch bevor ich ihn nach seinem Namen fragen konnte, wirbelte er mich wieder durch die Gegend. Und ich vergaß meine Frage. Ich liebte es, mit ihm zu tanzen. Diese Kombination der Schritte, wie er mich führte. Ich hatte das Gefühl, einfach loslassen zu können und über das Tanzparkett zu fliegen. „Was machst du hier in London?“, fragte ich dreist. Er schien für einen Moment überrascht, doch dann lächelte er wieder. Ein Lächeln, bei dem ich zerschmolz. Mein Partner zuckte mit den Schultern und meinte, er sei geschäftlich hier und dass sein Freund ihn hierher eingeladen habe. Zusätzlich stellte er auch noch mir die Frage. Peinlich berührt gestand ich, dass ich zusammen mit meiner Freundin hier war, da sie sich nicht alleine getraut hat. Und ich eigentlich in einer kleinen Wohnung hier in der Stadt lebte.

Ich wollte mich von ihm entfernen, da ich auf einmal das sonderbare Gefühl hatte, dass ich es nicht wert war, mit diesem Mann zu tanzen. Doch er ließ es nicht zu. Nein. Er zog mich sogar enger an sich. Schließlich besann ich mich und tanzte wieder mit ihm. „Warum wollte deine Freundin nicht alleine kommen?“, fragte er plötzlich. Ich zuckte mit den Schultern und meinte, dass sie eher zu den Schüchternen gehört, wenn sie sich unter fremden Menschen bewegt. Er nickte und fragte, ob ich denn auch so schüchtern wäre wie meine Freundin. „Ich würde es nicht schüchtern nennen. Eher… vorsichtig. Sie ist meine Freundin, und ich begleite sie gerne“, antwortete ich ausweichend. Mein Partner nickte nur. „Da hatte ich wohl Glück, denn durch die Scheu deiner Freundin kam ich zu dem Vergnügen mit dir zu tanzen, mi hermoso (meine schöne).“, sagte er. Auf einmal zog er mich ganz dicht an sich heran. So nah, dass ich dachte, er würde mich gleich küssen, aber das war natürlich lächerlich. „Ich gebe dir einen guten Rat, Isabell. Halte dich von meinen Leuten fern und vertraue keinem Einzelnen von ihnen, es würde dein Tod bedeuten, mir flor (meine Blume). Sag das auch deiner kleinen Freundin.“ Verwirrt schaute ich ihn an, als er mich losließ. Verdutzt stellte ich auch fest, dass wir ganz alleine auf der Tanzfläche waren. „Du und deine Freundin, ihr solltet jetzt besser gehen“, sagte er. Seine Stimme war mit einem Mal ganz verändert, kalt und abweisend. Nichts war mehr von der schönen, sanften Stimme zu hören. Und seine Augen, so hell wie ein braunes Laubblatt, das man in der Sonne hält. Tatsächlich trauerte ich dem Bernstein-Ton nach. Ich nickte und ging zu Noelle, die ungeduldig auf mich wartete. Ich lächelte sie an. Wir gingen, und Noelles Limousine holte uns ab. Mir taten die Füße merkwürdig weh. Und ich warf einen Blick auf meine Schuhe. Durchgetanzt?! Noelle berührte mich am Arm, und ich zuckte zusammen. „Sag mal Isabell, wer war dieser Mann gewesen?“, fragte sie. Oh verdammt, ich habe völlig vergessen, ihn nach dem Namen zu fragen. Ich ohrfeigte mich innerlich selbst. Ich setzte ein unschuldiges Lächeln auf und antwortete Ihr: „Oh das, das war… nun ganz ehrlich? Ich habe keine Ahnung.“ Sie starrte mich an. Ich lächelte tapfer weiter.

Ihr Gesichtsausdruck wurde besorgt und ängstlich. „Isabell, habt ihr miteinander gesprochen?“ Ich war erstaunt über diese Frage. Aber ich nickte. Noelle schnappte nach Luft. „Eure Lippen haben sich aber nicht bewegt, es gab Reaktionen, aber keine Mundbewegungen.“ Okay, nun war ich es, die nur starren konnte. Das konnte doch gar nicht sein! Die restliche Fahrt versuchte mir Noelle einzureden, dass ich die ganze Zeit nicht den Mund bewegt habe. Als sie mich bei mir zu Hause aussteigen ließ, verabredeten wir uns für den nächsten Tag im Cafe um die Ecke. „Um fünfzehn Uhr, und sei pünktlich!“, rief sie mir nach. Ich ging weiter, mein Kopf drehte sich, ich war hundemüde und fiel auch gleich ins Bett.

Am nächsten Tag brachte ich das Kleid zurück und bekam ich die Kaution wieder. Es war erst kurz nach Mittag, und ich sah auf die Uhr. Wieder vollkommen in Gedanken versunken, bin ich einfach durch die Gegend gelaufen. Ich wusste, wo ich mich befand, aber es dauerte einen Moment, bis ich den Weg zum Cafe wieder realisiert hatte. Ich wollte mich gerade auf den Weg machen, da griff eine Hand nach mir und zog mich in eine kleine Gasse. Das Dumme an diesen Gassen ist doch, dass man eine vorfindet, wenn so absolut kein Bedarf daran besteht.

Mein Körper wurde gegen die Wand gedrückt, zusätzlich lag eine Hand schwer auf meinem Mund. Erst jetzt drehte mir mein Angreifer den Kopf zu. Bernsteinfarbene Augen funkelten mich an.

Er!?! Was machte er hier, und was sollte das? Er drückte uns tiefer in den Schatten, als zwei wuchtige Männer den Fußweg entlangkamen. Als sie sich entfernt hatten, sah er mich wieder an. „Wenn du leise bist, nehme ich die Hand weg“, sagte er. Ich knirschte mit den Zähnen, nickte aber. Was blieb mir auch anderes übrig? Er nahm tatsächlich seine Hand von meinem Mund. Was gut für ihn war. Aber anstatt mich freizugeben, nahm er einfach meine Hand und zog mich hinter sich durch die Gasse, als ob ich nicht selbst in der Lage war zu laufen. Am Ende der Gasse stand ein schicker matt-schwarzer Sportwagen. Auffordernd öffnete er mir die Tür, und ich stieg ein. Der Motor erwachte schnurrend zum Leben und brauste durch die Stadt. Kurz nachdem wir die City hinter uns gelassen hatten, traute ich mich ihn zu fragen: „Wo bringst du mich eigentlich hin?“ „In Sicherheit“, war seine kurze Antwort. Was für eine Aussage. Sagenhaft! Da ich wahrscheinlich keine genauere Antwort bekommen würde, stellte ich die nächste Frage, die mir auf dem Herzen lag. „Wie heißt du eigentlich?“ Er warf mir einen kurzen Blick zu und legte den Gang höher. Ich wartete und wartete, aber bekam keine Antwort. Ich stieß ihn leicht an und wiederholte meine Frage. Er ignorierte mich. Also achtete ich auf die Straße, und mit Erschrecken stellte ich fest, dass wir viel weiter von London entfernt waren als ich dachte. „Verdammt, wo bringst du mich hin?“, fragte ich völlig aus der Fassung. Der Typ entführte mich doch tatsächlich! „Wie ich bereits sagte, ich bringe dich in Sicherheit.“ Seine Stimme klang angespannt.

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