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Leseprobe:
Die reise der 4,
von G. und H. Steinsee

steinsee

Das Tal

Es war einmal ein wildes fremdes Tal. Es war fremd, da kein Mensch der damaligen Zeit dieses Tal kannte. Es war zu weit weg, um es zu erkunden. Kein Weg der Menschen führte in dieses Tal hinein. Die hohen Berge, Wind und Wetter, die Launen der Bäche und des Flusses waren die Elemente, welche dieses Tal beherrschten. Durch das ungezügelte Ausleben ihrer Kräfte veränderte das Tal jedes Jahr sein Gesicht.

Im Tal gab es die schönsten Blumen und Sträucher. Wenn die Elemente es wollten, suchten die wildesten Stürme und Überschwemmungen diese Plätze auf. Nach dieser Heimsuchung waren sie dann nicht mehr vorhanden. Zudem zerstörten Blitz und Feuer ganze Waldflächen und wilde Hagelschauer nahmen den Obstbäumen alle Früchte, welche sie über das ganze Jahr an ihren Ästen wachsen ließen. Dazu kam der lange und kalte Winter, der dieses Tal beherrschte. Sieben Monate hatte die Kälte des Winters das Tal fest im Griff. Eisige Winde zogen über die Wälder, sodass sich sogar die Bäche und der Fluss seiner Herrschaft unterwerfen mussten. Die Wasser gefroren regelmäßig zu Eis. Somit war auf den ersten Blick kein Leben mehr in diesem Tal zu finden.

Als ob das noch nicht genug wäre, entfesselte der Winter jedes Jahr seine größte Macht. Es waren mächtige Lawinen, welche vom Berg ins Tal rauschten und alles in ihrer Bahn zerstörten.

Frau Holla und die Not der Tiere

Dennoch war Leben in diesem Tal. Es waren die Tiere, die es bewohnten. Sie alle haben dieses Tal vor langer Zeit zu ihrer Heimat gemacht. Durch die Launen der Elemente mussten sie viel Leid ertragen. Sie hatten ein schwieriges Leben in dieser rauen Natur. Jedes Mal, wenn sie sich ihr Revier eingerichtet hatten, wurde es wieder von den Elementen zerstört. Zudem kamen die langen frostigen Winter, welche sie meistens nur schwer überlebten.

In einem Jahr, wo es die Elemente besonders wild trieben und die Tiere nicht mehr ein und aus wussten, bekamen sie einen ganz besonderen Besuch. Es war Holla, der weibliche Schutzgeist der Alpen. Die Tiere kannten sie nicht, sie war für sie wie eine Fee, nur viel mächtiger. „Kämpft nicht gegen die Elemente, versucht, euch auf sie einzulassen. Ihr könnt nur leben, wenn ihr euch diesen Elementen anpasst“, sagte sie ganz bestimmt mit ihrer mütterlichen Stimme. Ein Murren ging durch die Tiere. „Wie sollen wir uns auf die Elemente einlassen, wenn sie alles zerstören und sogar unser Leben bedrohen?“, fragte ein Rehlein und zeigte Frau Holla ihr verwundetes Beinchen vom letzten Sturm. „Ihr werdet nicht mehr alleine sein“, sagte Frau Holla, „kommt mit mir zum nächsten Hollerbusch“. Die Tiere folgten ihr ganz verwirrt, aber sehr neugierig.

Die Tiere folgten der Frau, welche für sie fast wie eine Zauberin aussah. Sie wussten nichts davon, dass Frau Holla die Elemente kannte. Sie hatten auch keine Ahnung davon, dass es den Elementen ebenfalls wehtat zu sehen, wie sehr die Tiere und die Natur unter ihren Kräften litten. Frau Holla und den Elementen war klar, dass die Elemente von einer höheren Macht geschaffen wurden und gar nicht anders konnten, als ihre Kräfte auszuleben. Daher wurden alle Elemente, Luft, Feuer, Wasser und Erde von Frau Holla kurz vor ihrem Erscheinen bei den Tieren zu einem Treffen eingeladen. Frau Holla und die Elemente beratschlagten, wie sie das Leben in diesem Tal verbessern konnten. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Tiere in diesem Tal eine ständige Begleitung benötigten. Sie sollten Vertrauen zu dieser haben und sich beibringen lassen, wie sie mit den Kräften der Elemente leben konnten, ohne ständigen Schaden zu erleiden.

Als die Tiere beim nächsten Hollerbusch ankamen, bildeten sie einen Kreis um diesen. Sie waren ganz gespannt, was nun folgen wird. Sie spürten ein starkes Kribbeln unter ihrem Fell und ihre Haare stellten sich auf. Sie waren sehr nervös, weil sie es alle spürten, dass nun etwas Einzigartiges geschehen wird.

Das Ritual

Frau Holla stand dem Hollerbusch am nächsten. Sie sammelte ihre Gedanken und lud alle Elemente und Naturgeister ein, am Ritual, welches nun bevorstand, mitzuwirken. Sie begrüßte den Hollerbusch und dankte ihm dafür, sich für diese so wichtige Handlung zur Verfügung zu stellen. Daraufhin suchte sie die Schönste aller Hollerblüten aus und umfasste sie mit ihren magischen Händen. Sie spürte, wie sich die Elemente in ihrer feinsten Form mit allen Naturgeistern verbanden. Feinste Wassertropfen, die man mit den Augen gar nicht sehen konnte, erzeugten mit dem Sonnenlicht die schönsten Regenbogenfarben. Der Wind mischte sich mit einem feinen Hauch in das Spiel ein und erzeugte damit einen Wirbel. Dieser ließ die Regenbogenfarben ineinander verschmelzen. Dazu erzeugte das Feuer die feinsten Funken, welche sich wie ein Glitzer im bunten Wirbel verteilte.

Nun kamen die Naturgeister dazu. Sie zeigten sich in den buntesten Farben und tauchten ebenfalls in den Wirbel, der immer schöner und größer wurde. Aus dem Boden heraus durch die Wurzeln und die Äste des Hollerbusches kamen die Erdgeister mit ihrer Festigkeit. Sie strömten durch die Hollerblüte in den Wirbel hinein, womit der Wirbel immer stärker und fester wurde. Frau Holla blickte nun auf den Wirbel mit ihren liebevollen und klaren Augen, umfasste ihn und ließ ihn mit den Händen vom Hollerbusch abheben.

„Fürchtet euch nicht“, sagte sie zu den Tieren, welche nun sichtbar unruhig und ängstlich wurden, sodass einige von ihnen schon fliehen wollten. Sie ließ den Wirbel wieder auf den Hollerbusch sinken. Dieser setzte sich nun aber nicht mehr auf den Busch, sondern hüllte ihn zur Gänze ein. Daraufhin wurde er noch einmal ganz stark, bis er aufhörte sich zu drehen. Nun stand der Wirbel wie eine ruhige Wolke über dem gesamten Hollerbusch, den die Tiere aufgrund der bunten Farben und der Glitzer gar nicht mehr sehen konnten.

Ganz langsam löste sich die Wolke auf, sie wurde immer durchsichtiger und die Tiere konnten ihren Augen nicht trauen. Anstatt der Äste und der Blätter des Hollerbusches sahen sie immer deutlicher die Gestalt eines Mädchens mit goldenen Haaren und einem violetten Mantel. Unter diesem trug das Mädchen ein wunderschönes grünes Kleidchen mit einer weißen Bluse. Auf ihrem Kopf hatte sie einen violetten Spitzhut. Anstatt der Blüten, sahen sie ein herzliches Lächeln und zwei leuchtende Augen. Vom Hollerbusch war nur mehr ein kleiner Ast vorhanden, welchen das Mädchen in den Händen hielt. Die Wolke, die sich nun immer mehr auflöste, verwandelte sich in viele bunte Schmetterlinge, welche das Mädchen umkreisten. Anschließend flogen sie gemeinsam in die Höhe und verschwanden dann im Wald.

„Hallo“, sagte das Mädchen, „ich bin Kathi. Und ich bin zu euch gekommen, um gemeinsam mit euch und den Elementen das Leben hier in diesem Tal zu meistern.“ „Moment“, sagte daraufhin Frau Holla, „ich bin noch nicht fertig“. Nun berührte sie den Hollerzweig, den Kathi noch in der Hand hielt.

Die Blätter des Zweiges zogen sich daraufhin in den Ast zurück und aus dem Zweig entstand ein Zauberstab.

„Nun, liebes Kind, hast du all die Fähigkeiten, die du benötigst, um deine Aufgabe zu erfüllen“, sagte Frau Holla, „mit dem Zauberstab kannst du alles Leben, das der Pflanzen und der Tiere und aller sonstigen Lebensformen heilen. Mit deinen Gedanken und deinem Herzen stehst du von nun an mit allen Lebensformen in Verbindung, egal wie weit sie von dir weg sind. Und du kannst dich selbst jederzeit vom kleinen Kind in eine erwachsene Frau verwandeln und auch wieder zurück. Gehe gut und sorgsam mit deinen Gaben um und vergiss nie, auf dein Herz zu hören.“

Als Kathi das erste Mal in die Runde der Tiere schaute, erblickte sie das Rehlein mit dem verletzten Beinchen. Sie ging zu ihm hin und berührt es mit ihrem Zauberstab. Ein Raunen ging durch die Tiere, als sich die Wunde von selbst verschloss und das Beinchen geheilt war. Das Rehlein schmiegte sich voller Dankbarkeit an Kathi. Die Tiere, die alles gehört hatten, was Frau Holla zu Kathi gesagt hatte, schöpften Vertrauen in sie und nahmen sie freudig auf.

Nun wollten sie sich bei Frau Holla bedanken, doch als sie sich umschauten, bemerkten sie, dass diese nicht mehr bei ihnen war.

Kathi

So ist Kathi in das Tal gekommen. Die Elemente wirkten noch immer in diesem Tal mit all ihren Kräften. Auch der Winter hörte nicht auf, es sieben Monate des Jahres in seinen Besitz zu nehmen. Aber durch das Wirken von Kathi stellten sich die Tiere auf die Launen der Elemente ein. Ihr Leben stand noch immer im Zeichen der Elemente, jedoch richteten sie ihre Reviere dort ein, wo die zerstörerische Kraft der Elemente ihnen nichts anhaben konnte. So konnten sie ihr Leben weitaus friedlicher und ruhiger meistern. Wenn einmal ein Tier oder Pflanzen und Bäume verletzt wurden, konnte Kathi sie jederzeit heilen. Sie erkannte ihre Fähigkeiten und lernte schnell, sie richtig einzusetzen. Zusätzlich befolgte sie den Rat von Frau Holla, immer auf ihr Herz zu hören.

Kathi war glücklich, in diesem Tal zu sein. So viel Gutes konnte sie tun und immer einen Beitrag liefern, die Harmonie zwischen den Elementen und dem Leben im Tal zu verbessern. Leider kam es mit der Zeit immer öfter vor, dass sich Kathi traurig fühlte. Sie wusste selbst nicht wieso und sagte zu sich selbst, sie solle nicht undankbar sein. Immerhin war sie ja mit den wunderbarsten Fähigkeiten ausgestattet. Doch dadurch konnte sie ihre Traurigkeit nicht loswerden, ganz im Gegenteil, immer öfter überkamen sie die traurigen Momente. Alles änderte sich, als sie eines Morgens munter wurde und sich an einen Traum erinnerte. Sie träumte von einem weit entfernten Dorf. Als sie im Traum am Dorfrand spazieren ging, fiel ihr ein kleiner Junge auf. Er stand vor einem Apfelbaum. Dieser hatte vermutlich vom letzten Sturm einen geknickten Ast.

Der Bub trug eine grüne Latzhose und ein kariertes Hemd. Auf seinem Kopf hatte er einen Filzhut. Offensichtlich sprach der Bub mit dem Baum und streichelte seine Äpfel. Plötzlich wurde er von einem erwachsenen Mann unterbrochen. „Lass den Blödsinn, Holly. Wie soll denn aus dir etwas werden, wenn du immer nur durch den Tag träumst. Komm und hilf mir“, sagte der Mann zu dem Buben, der daraufhin traurig seinen Schritten folgte.

Als der Bub hinter dem Mann nachging, blickte er einmal zurück und schaute Kathi direkt in die Augen. Ihr war es, als ob er ihr direkt in ihr Herz schaute. Dann war der Traum zu Ende. Kathi machte sich auf den Weg, denn sie hatte sich für diesen Tag viel vorgenommen. Aber der Junge – Holly so hat ihn der erwachsene Mann genannt – ging ihr nicht mehr aus dem Sinn. Immer wieder sah sie ihn in ihren Gedanken.

Sie ertappte sich dabei, dass sie sich bei den verschiedensten Tätigkeiten des Tages mit ihm unterhielt, als ob er bei ihr wäre. Am Abend stellte sie fest, dass sie an diesem Tag kein einziges Mal traurig war. So ging sie abends in ihr Bett und als sie einschlief, begann sie wieder von ihm zu träumen. Sie träumte, wie sie gemeinsam im Tal lebten und sich miteinander um alle Aufgaben kümmerten. Auch träumte sie von einem kleinen Häuschen. Es war eines von jenen, welche sie im letzten Traum im Dorf gesehen hatte.

Am nächsten Tag war ihr klar, dass sie diesen Jungen kennenlernen wollte. „Wie soll das gehen?“, dachte sie sich, wie soll er mich hier nur finden. Kathi wurde wieder traurig.

Sie stand gerade bei einem Hollerbusch, als sich eine Träne von ihrer Wange löste. Anstatt auf den Boden zu fallen, benetzte sie eine Hollerblüte. Kathi wischte sich die Tränen aus den Augen, als sie auf einmal sah, wie sich die Hollerblüte, die gerade noch ihre Tränen aufgefangen hatte, auf einmal zu bewegen begann. Sie schaute nochmals hin und sah, wie aus der Blüte ein wunderbarer Schmetterling entstand. Er flog hoch zu ihr, blickte sie an und in ihren Gedanken hörte sie ihn sprechen: „Ich bringe ihn zu dir. Wir kennen ihn schon, er hat ein schönes Herz.“

„Ja“, sagte Kathi, „aber bitte nur, wenn er es auch so will.“

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