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Leseprobe:
Die Bandkeramik in Mittelhessen und angrenzenden Gebieten,
von Johanna Ritter-Burkert

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1 Einleitung

Die frühjungsteinzeitliche archäologische Kultur der Linienbandkeramik (LBK) erstreckte sich im 6. Jahrtausend v.Chr. über ein Verbreitungsgebiet, das sich zwischen dem Pariser Becken und der Ostukraine ausbreitete. Die Region Mittelhessen stellt in Deutschland mit ihrer dichten Besiedlung und ihrem großen Fundreichtum gleichsam einen der „Hotspots“ dieser Kultur dar. Zwar reicht die Erforschung der LBK im Arbeitsgebiet bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück, es sind in den vergangenen Jahren jedoch zahlreiche neue Fundstellen auf die Forschung gekommen, die eine Neubewertung des Raumes notwendig machen. Neben zahlreichen Siedlungsstrukturen stellt Keramik das Hauptfundgut dar. Sie eignet sich durch ihre sich in der Zeit wandelnden Verzierungen im höchsten Maße dazu, typologische Reihen zu erstellen und lässt sich somit für feingegliederte relative Chronologien nutzen. Hierzu werden statistische und ordnende mathematische Verfahren eingesetzt.

Durch die sich stetig verdichtende Datenbasis wird es so in einigen Jahren möglich sein, auch kleinere Fundstellen der LBK anhand ihrer Keramik auf einem Auflösungsniveau von zwei Dekaden zeitlich einzuordnen, was in jedem Falle feiner ist, als die Auflösungsgenauigkeit physikalischer Altersbestimmungen. Erkenntnisse über die neolithischen Kulturgruppen in Hessen waren bereits am Ende des 19. Jahrhunderts vorhanden und Werke zu verschiedenen dieser Kulturgruppen sind im Laufe der Jahrzehnte viele erschienen.7 Als bedeutendste Arbeit zu diesem Forschungsgebiet kann wohl Walter Meier-Arendts „Die bandkeramische Kultur im Untermaingebiet“8 aus dem Jahr 1966 gelten – seine Phaseneinteilung der LBK wird bis zum heutigen Tage als Chronologiegerüst9 verwendet. Doch auch die vergangenen Jahre haben zahlreiche neue Fundstellen und Funde der LBK in Hessen erbracht, man denke nur an Frankfurt Nieder-Eschbach, Friedberg- Bruchenbrücken10 oder die Arbeiten von Saile11 oder Schade12. Ebenso von Bedeutung war die Erschließung von Neubaugebieten wie z.B. 2003 in Bruchenbrücken unter Lüning in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege Hessen13 und der Bau der Bundesstraße 3a. Es erschienen immer wieder Arbeiten zu Fundstellen in Hessen14 und im Jahr 1998 schließlich ein Überblickswerk von Kneipp15. Eine Publikation, die sich mit dem aktuellen Stand an Fundstellen und besonders mit den neuen Fragen an die Chronologie der LBK befasst, fehlt bisher.16 Hessen und besonders die Wetterau sind reich an bandkeramischen Funden und Fundstellen, doch eine detaillierte und typologisch hochaufgelöste Bearbeitung existiert nicht flächendeckend. Dies gilt besonders für die Erfassung der Keramik – auch zur Erstellung relativchronologischer Abfolgen und stilistischer Typologien.

Den Ausgangspunkt für die vorliegende Aufarbeitung der LBK in Mittelhessen bildete die Fundstelle Bad Nauheim–Nieder-Mörlen „Auf dem Hempler“17, die seit über 50 Jahren bekannt ist und zwischen 1997 und 2001 vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen sich etwa 120 Hausbauten, 35 Grubenöfen19 sowie 15 Siedlungsbestattungen aus der Zeit der LBK befanden. Die Ansiedlung war von dichter Bebauung, absoluter Siedlungskontinuität und einer sehr langen Belegungsdauer gekennzeichnet, was den Ort als Ausgang für die Erstellung einer Relativchronologie ideal macht.20 Da vor der erneuten Bearbeitung der Kenntnisstand auf dem Gebiet der LBK in Hessen, zwar nicht gerade unzureichend war, aber das Wissen besonders hinsichtlich der Keramikinventare der mittleren und jüngeren LBK zahlreiche Lücken aufwies, versprach man sich von der Aufarbeitung der Funde, ebendiese zu füllen. In diesem Zusammenhang konnte es gelingen, der lückenlosen Erfassung des Keramikspektrums der LBK immer näher zu kommen und die relativchronologische Einordnung von Fundplätzen weiter zu präzisieren. Dazu konnte das Material aus Bad Nauheim–Nieder-Mörlen „Auf dem Hempler“ auch in die Datenbank „Bandkeramik Online“21 einfließen, die sich eben jenen Zielen widmet. Zudem weist die Keramik auf Fremdelemente und somit auch Kontakte mit anderen Kulturgruppen, deren Mechanismen noch untersucht werden müssen. Darüber hinaus präsentieren sich im Fundmaterial zahlreiche Hinweise auf arbeitsteilige Prozesse, deren Charakter diskutiert werden muss.

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