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Leseprobe:
Ausweichmanöver,
von J.S. alias E.A. Oannes

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Admiral Kohn war von der Aufgabe, die ihn jetzt erwartete, nicht erbaut, eigentlich genauso wenig wie seine ihm unterstellten Kapitäne, doch er musste die erhaltenen Befehle durchsetzen. Die Menschheit war auf der Erde von einer Rasse namens Tyhianer angegriffen worden. Admiral Kohn, und den anderen Kapitänen von kleinen Schiffen, hatten die Admiralität und die Regierung der Erde die Flucht befohlen. Die Menschheit verfügte über keine größere Flotte im All, und die Schiffe, welche bei der Erde stationiert gewesen waren, waren auch am ersten Tag des Angriffes zerstört worden. Man hatte gegen die technisch weit überlegenen Tyhianer im All keine Chance gehabt.

Es hatte ein paar Schiffe gegeben, welche im Sonnensystem weiter von der Erde entfernt gewesen waren, ob nun im Asteroidengürtel auf der Seite Erde oder über die Sonne hinweg auf der anderen Seite oder selbst zwischen den Planeten. Zwar waren keine anderen Planeten des Sonnensystems bisher besiedelt, aber auf dem Mars waren Messstationen eingerichtet worden, die auch immer wieder mit Nahrungsmitteln, Gerät und Personal versorgt werden mussten. Admiral Kohn hatte sich auf der Fregatte Luna befunden, um eine Routineinspektion durchzuführen, als die Tyhianer ihre Attacke auf die Erde gestartet hatten.

Ähnlich verhielt es sich beim Asteroidengürtel, welchen die Menschheit immer noch versuchte als Rohstoffquelle nutzbar zu machen. Etwas, das noch nicht sonderlich mit Erfolg gekrönt worden war. Es gab alle möglichen Schwierigkeiten, aber trotzdem mussten die Abbaustätten immer wieder mit Lebensmitteln und Sauerstoff versorgt werden. Wasser hatte man inzwischen in der Nähe der meisten Abbaustationen gefunden. Die Konzerne, welche Erzabbau auf den Asteroiden betrieben, hatten zwar auch ihre eigenen Schiffe, waren aber trotzdem für den Transport der nötigen Güter noch immer auf Unterstützung vonseiten des Militärs angewiesen. Da das Militär für die Raumschiffe einiges an Stahl benötigt hatte, wurde diese Hilfe vom Militär eigentlich gerne gewährt. Man hatte nur auf größere Erfolge gehofft. Doch jetzt war alles anders geworden. Admiral Kohn seufzte.

Es war schon schwierig genug gewesen, Fregattenkapitän Meiers im Kommando über die Fregatte Luna die Flucht zu befehlen, aber der Kapitän des Zerstörers Meso, Peres, war als gebürtiger Spanier noch widerspenstiger, noch schwieriger zu kontrollieren gewesen. Der hatte tatsächlich darauf gehofft, mit seinen paar Kanonen dem Feind erfolgreich in den Rücken fallen zu können. Lächerlich! Alle der neuen Kreuzer, alle dreimal das Volumen der Meso, die besten Schiffe der kleinen Flotte über der Erde im All, waren am ersten Tag zusammen mit dem Rest der Flotte einfach weggewischt worden. Die paar Schlachtschiffe, bewaffnet mit dem, was andere Rassen für lustig hielten, nur von der Menschheit als Schlachtschiffe bezeichnet, waren über der Erde und ebenso über der neuen Kolonie Base dem Angriff der Tyhianer zum Opfer gefallen. Das hatte man gerade noch über Direkt-Komm gemeldet bekommen, der Bericht darüber, dass die Kolonie Base ebenso angegriffen worden war wie die Erde. Was hätte da ein einzelner Zerstörer ausrichten sollen?

Doch nichtsdestotrotz waren die Kapitäne aufgebracht. Sicherlich über die Hälfte wäre lieber am ersten Tag mit all den anderen gestorben als zu fliehen. Selbst Meiers, dessen Fregatte nur mit einer größeren Kanone bewaffnet war, die man auch noch nur in Fahrtrichtung abschießen konnte, hatte angreifen wollen. Doch sie hatten einen anderen Auftrag erhalten.

Sie waren an den angewiesenen Koordinaten aus dem Sprung gekommen und nun versammelten sich die anderen Schiffe an dieser Stelle. Admiral Kohn musste die Kapitäne noch über die genauen Befehle informieren. Das war die Aufgabe, sobald der Transporter unter Kapitän van Groth eingetroffen war. Von dem hing vorerst alles ab. Seufzend blätterte der Admiral seine Papiere nochmals durch und nahm noch einen Schluck Kaffee. Etwas, was er vermissen würde. Seine Fregatte hatte auf Anweisung die Mannschaft der Messstation vom Mars mit all deren Vorräten aufgenommen, aber Kaffee gab es inzwischen nicht mehr viel.

Die Befehle waren sehr dürftig gehalten gewesen. Man wusste nicht, wie viel die Tyhianer von der Kommunikation der Menschen abfangen und auswerten konnten, aber da andere Mitglieder des Rates der Völker, beheimatet in diesem Sektor der Galaxis, den Funk und den Direkt-Komm der Menschen empfangen konnten und auch verstanden, wusste man auch nicht, was den Tyhianern von deren Seite aus weitergegeben worden war. Also war aus Sicherheitsbedenken nicht viel kommuniziert worden.

Kohn wusste nur, dass es um einen Erkunder, ein größeres Forschungsschiff ging, den die Menschen vor vielen, vielen Jahren auf die Reise geschickt hatten, um neue bewohnbare Planeten für die Menschheit zu finden. Dieser Erkunder war insofern erfolgreich gewesen, dass er einen Planeten gefunden hatte, welchen die Menschen direkt besiedeln konnten, ohne vorher Aktionen unternehmen zu müssen wie zum Beispiel auf Cholar oder Base, zwei Wüstenplaneten, welche man mittels Dimensionstoren mit Wasser versorgen musste. Oder Cholis, einem Eisplaneten, auf dem man erst Eis schmelzen musste, um hinterher hoffentlich, irgendwann einmal, eine Fischzucht betreiben zu können.

Der Admiral wusste nicht, wo sich dieser neue Planet befand. Das hatte man ihm nicht übermittelt. Zu groß die Gefahr, dass diese Koordinaten in die Hände der Tyhianer gefallen wären. Und das hatte man auf alle Fälle vermeiden müssen.

Er wusste nur, dass das Erkundungsschiff ungefähr an diesen jetzigen Koordinaten der kleinen Flotte unter Admiral Kohn vorbeirasen würde, falls es auf dem Weg zurück zur Erde war. Es war so alt, dass es noch über keinerlei Sprungtechnologie verfügte. Weder Sprungkerne, welche die Menschen seit relativ Kurzem erforschten, oder besser: sich Schritt für Schritt erarbeiteten; oder dem Gravitations-Antigravitations-Antrieb, der zwar langsamer, aber auch einfacher in der Herstellung war und den man schon seit einiger Zeit benutzte. Das Forschungsschiff reiste in irrsinniger Geschwindigkeit, aber unter Licht. Kohn hatte versucht, auszurechnen, wie alt die Mannschaft wohl nun sein würde. Aber man hatte ihn auch immer wieder darauf hingewiesen, dass, wenn das Schiff sich unter Licht bewegte, aber fast an Lichtgeschwindigkeit herankam, die Mannschaft langsamer altern würde. Etwas, was Kohn immer noch nicht so ganz glauben konnte. Die sumerischen Texte widersprachen dem, und die hatten schon in einigen solchen oder ähnlichen Punkten recht gehabt.

Damit war es Teil des Auftrages der damals ausgesandten Forschungsschiffe gewesen, zur Alterung der Mannschaft genaue Messungen durchzuführen; genaue Angaben zur Beschleunigung des Schiffes zu machen sowie die Alterungsrate der Mannschaft auf dem Schiff durch medizinische Untersuchungen festzuhalten. Sobald sie wieder bei der Erde gewesen wären, hätte man das endgültig ausgewertet. Doch das Erkundungsschiff würde nicht zur Erde zurückkehren. Der erste Teil des Auftrages war, dieses Schiff abzufangen.

Dazu benötigte man den Transporter. Es war nicht möglich, in den alten Erkunder einen Sprungkern einzubauen, aber man konnte oben und unten am Schiff jeweils die Teile eines doppelten Gravitations-Antigravitations-Antriebs befestigen, in dessen Blase das Schiff doch sprungfähig werden würde. Der Transporter hatte diese Antriebe an Bord, zusammen mit Rahmenteilen, um die Antriebe am alten Schiff verbauen zu können.

Der Plan, diesen Erkunder abzufangen und auf schnellerem Wege zur Erde zurückzubefördern, war schon vor einigen Jahren gefasst worden, als man den Bericht über den Planeten erhalten hatte. Lange vor dem Angriff der Tyhianer. Eigentlich hätte es einer freudigen Feier dienen sollen, einem Triumphzug für die Mannschaft dieses Forschungsschiffes, nach dessen Rückkehr zur Erde. Zum Zeitpunkt des Erhalts dieser Meldung war der Erkunder jedoch sicherlich bereits wieder Jahre unterwegs gewesen. Also hatte man versucht auszurechnen, wo sich das Schiff befinden konnte, als Kohn den Befehl erhalten hatte, dieses Schiff abzufangen. Da Kohn in dieser kleinen Flotte auch über drei Erkunder verfügte, deren Scannersysteme zumindest mal fünf Lichtjahre auf sich schnell bewegende Objekte absuchen konnten, hoffte er, dass er das Schiff finden würde. Doch auch das war nicht wirklich sicher. Was, falls das Schiff sich auf den Weg gemacht hatte, andere Planeten zu untersuchen? Nicht einmal in diesem Punkt war man sich sicher. Dazu hatte es von diesem Schiff keine Meldungen gegeben. Es war also alles in der Schwebe, und seine Kapitäne, egal wie geringfügig wehrfähig deren Schiffe waren, würden natürlich Gift und Galle spucken, sollte man das Forschungsschiff nicht einmal finden können.

Doch der nächste Schritt war die Ankunft des Transporters. Und der war noch nicht eingetroffen. Man wusste nicht einmal, wann der sich in den Sprung begeben hatte, denn mit der Erde war jegliche weitere Kommunikation verboten. Wehe, wenn die Tyhianer Direkt-Komm-Nachrichten abgefangen und somit irgendwie ihre Koordinaten hätten errechnen können.

Kohn leerte seine Tasse und begab sich auf die Brücke der Fregatte. Die Anweisung, nach sich schnell bewegenden Objekten vor ihnen zu suchen, hatte er bereits gegeben. Die Fregatte konnte zumindest da helfen. Meiers hatte er so etwas beruhigen können, auch wenn er dem noch nicht genau gesagt hatte, nach was sie eigentlich suchten. Die drei Erkunder sowie der Zerstörer unter Peres waren alle mit der Suche beschäftigt.

Meiers schüttelte verneinend den Kopf, als der Admiral auf die Brücke trat. Sie hatten noch keinen Kontakt auf dem Scanner ausmachen können. Kohn setzte sich auf einen Stuhl, den man ihm zur Verfügung gestellt hatte. Auf den Platz des Kapitäns setzte er sich aus Prinzip nicht. Das Schiff befand sich nur auf langsamer Fahrt. Ein einfacher Stuhl reichte dem Admiral. So harrte er aus.

„Ein Schiff kommt aus dem Sprung. Ziemlich nahe an uns dran“, meldete der Navigator, der auch die Schirme überwachte. „Hoffentlich der Transporter“, murmelte Kohn. Meiers sah ihn kurz an, starrte jedoch sofort wieder auf die Schirme. Es war leider notwendig geworden, dass der Admiral dem Kapitän gegenüber kurz angebunden blieb.

Es war der Transporter. Kapitän van Groth meldete sich, sobald das Schiff aus dem Sprung kam. Glücklicherweise war der nahe genug angekommen, sodass man eine Funkverbindung hatte aufbauen können, bei der man nicht stundenlang auf eine Antwort warten musste. „Hallo, Kapitän, schön, dass Sie angekommen sind“, begrüßte Kohn den Kapitän. „Ja, ich bin auch froh, und es gibt auch gleich gute und schlechte Neuigkeiten.“

„Das bitte erst, sobald Sie an Bord sind“, fiel Kohn van Groth ins Wort.

Der Admiral musste kontrollieren können, was an Gerüchten in seine winzige Flotte drang. Meiers starrte den Admiral kurz unwirsch an. Der zog nur seine Augenbraue hoch. Meiers starrte sofort wieder auf den Schirm. „Der nächste wichtige Punkt ist nun dieses kleine Objekt, das sich uns sehr schnell nähern sollte. Wenn wir das bitte finden könnten!“ Meiers starrte, jetzt etwas versteinert, weiterhin auf den Schirm.

Jetzt kam die Versammlung der Kapitäne. Das war, was der Admiral als unangenehm betrachtete, denn er war kein guter Redner. Er hoffte, dass die endgültige Ausgabe des Befehles dies übertünchte. Das hier war nicht seine gewöhnliche Flotte, eigentlich hatte er nicht einmal eine, das hier war eine schnell zusammengewürfelte Gemeinschaft, um einen bestimmten Auftrag zu erledigen. Sie mussten dieses alte Schiff finden.

Da er sich noch auf der Fregatte befand, gab es nur zwei Anlegestellen für die restlichen Kapitäne, somit vollzog sich das Eintreffen der Kapitäne zuerst nur langsam. Der Wassertanker der kleinen Flotte konnte nicht einmal anlegen, doch zumindest konnte er alle Schiffe mit Wasser versorgen, dazu war er ausgerüstet, obwohl er eigentlich nur dafür geplant gewesen war, Stationen zu versorgen. So konnte er auch nur an Stationen anlegen oder auf Planeten landen.

Kapitän Peres und Kapitän Kopf von der Fregatte Mars erschienen als Erstes. Danach die Kapitäne der Erkunder. Sie waren wohl am einfachsten abzufertigen gewesen. Doch die Kapitäne van Groth, Lubensky vom Wartungsschiff, dessen Mannschaft den herbeigeschleppten Antrieb auf das Erkundungsschiff verbauen musste, und der Kapitän des Truppentransporters, ein gewisser Maire, der eher zur Infanterie gehörte als zur Marine, erschienen auch auf einen Schlag.

„Sie haben bei mir angelegt, und ich habe sie mitgebracht“, erklärte Maire auf den erstaunten Blick von Kohn hin. Der nickte langsam. „Also fehlt nur Hatamoto, und der kann nirgends anlegen, also wird er zugeschaltet. Und da ist er auch schon. Gut, somit können wir natürlich anfangen“, meinte Kohn und deutete den Kapitänen, sich zu setzen.

„Sie alle haben Ihre Befehle erhalten, sich hier einzufinden, und werden jetzt darüber informiert werden, um was es sich bei unserem Auftrag handelt. Ich weiß, dass einige von Ihnen sich lieber in den Kampf bei der Erde gestürzt hätten, als hierherzukommen, doch es gab einen guten Grund, diese kleine Flotte hier zu versammeln.“

Einige der Kapitäne sahen ihn zumindest mal ungeduldig an. „Es ging darum, dass nach den ersten paar Tagen der Auseinandersetzung mit den Tyhianern einige Analysten angefangen hatten zu bezweifeln, dass die bisher bei der Erde eingetroffene Streitmacht tatsächlich auch die Hauptstreitmacht darstellen soll. Es gab hierfür mehrere Gründe und ich weiß nicht, ob die Anwesenden jetzt alles bis ins kleinste Detail erklärt bekommen wollen.“ Der Admiral sah sich kurz um, doch keiner der Kapitäne schien das genauer wissen zu wollen. „Sie war zu klein, um die Erde tatsächlich übernehmen zu können. Das war der Hauptgrund für diese Annahme. Zusätzlich noch die Sorglosigkeit in der Vorgehensweise. Das als offensichtlichste Gründe. Also gaben einige Analysten die Warnung aus, dass es sich bei der jetzigen Angriffsflotte nur um eine Vorhut handeln könnte und eine Hauptstreitmacht zu einem späteren Zeitpunkt eintreffen würde. Falls tatsächlich eine weitere Streitmacht folgt, hätte die Erde natürlich kaum eine Chance, sich zu verteidigen, da wir am ersten Tag des Bombardements aus dem All schon Milliarden Leichen hatten.

Also wurden wir hierhergeschickt, um ein Forschungsschiff zu finden, das vor vielen, vielen Jahren ausgeschickt wurde, um für die Menschen neue bewohnbare Planeten zu finden. Wir müssen dieses Schiff finden, abfangen und neu ausstatten, wozu wir nun zwei Antriebe beziehungsweise einen koordinierten doppelten Grav-Antigrav-Antrieb erhalten haben, der an diesem Schiff angebracht werden kann. Dieses Schiff hat die Koordinaten zu einem Planeten, der für die Menschen sofort bewohnbar wäre. Falls es tatsächlich so kommt, dass die Erde einer zweiten Angriffswelle ausgesetzt wird, werden weitere Schiffe zu diesen Koordinaten hierher gesprungen, und unsere Aufgabe wird es sein diese Flotte zu diesem Planeten führen, um ein Überleben der Menschheit garantieren zu können. Es geht also tatsächlich um das Überleben der Menschheit.“ Kohn sah die Kapitäne ernst an.

„Dieses Erkundungsschiff hat also einen für die Menschen geeigneten Planeten gefunden, und wir sollen dort siedeln, falls die Tyhianer mit einer weiteren, einer Hauptstreitmacht die Erde angreifen?“, hakte Peres misstrauisch nach. „Genau, so ist es. Wir müssen also dieses Forschungsschiff finden, es mit den Antrieben ausbremsen, welche Kapitän van Groth mitgebracht hat und von Lubenskys Mannschaft angebaut werden müssen, und danach hier auf eine weitere Flotte warten, welche eintreffen wird, sobald die Erde mit einer weiteren, größeren Streitmacht der Tyhianer angegriffen wird.“ Es gab eine kurze Pause. Ein paar der Kapitäne rutschten unruhig auf ihren Sitzen hin und her. Selbst Hatamoto auf dem Wassertransporter schien auf negative Weise beeindruckt zu sein.

„Wo liegt dieser Planet?“, fragte Miller von einem der Erkunder. „Das wissen wir nicht. Die Admiralität wollte diese Koordinaten auf keinen Fall über Funk oder Direkt-Komm verbreiten. Wir müssen das Schiff finden und es von dessen Besatzung erfahren.“

„Über welche weiteren Schiffe verfügt die Erde denn noch?“, fragte Kapitän Kopf von der Fregatte Mars etwas erheitert.

„Die Linienschiffe der Konzerne, welche sich bei den Asteroiden befinden, ein paar Truppentransporter, welche auch Arbeiter von den Asteroiden aufnehmen werden, Erztransporter, welche über Stauraum verfügen, weitere Linienschiffe, welche nicht konzerngebunden sind, die privaten Jachten der Konzernbosse und anderer Milliardäre und als Wichtigstes überhaupt zwei Versorgungsschiffe, also Siedlerschiffe, die für den Transport zur Kolonie Base geplant und ausgestattet waren; beladen mit Nahrungsmitteln, Medikamenten, industriellen Gütern und auch mit Siedlern gefüllt, welche ebenso zu Base hätten transportiert werden sollen. Also Ärzten, Lehrern und Familien aus den handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen. Die schätze ich als die zwei wichtigsten Schiffe für unseren Auftrag ein. Was hier tatsächlich ankommt, werden wir aber erst noch sehen müssen.

Die Schiffe müssen vorher natürlich für eine erheblich längere Reise ausgestattet werden, als wir diese bisher üblicherweise durchgeführt haben. Das bedeutet auch aufwendige Wartung, wenn ich auch nicht weiß, wo diese durchgeführt werden soll. In dieser Hinsicht sind nicht alle Stationen am Gürtel gut ausgerüstet. Und es muss natürlich erst auch einmal die Hauptstreitmacht der Tyhianer bei der Erde eintreffen, sodass die Flotte hierher befohlen oder dirigiert wird“, antwortete Kohn zuversichtlich.

Er wandte sich an van Groth: „Sie haben erwähnt, dass Sie Neuigkeiten hätten?“ Van Groth nickte erfreut. „Ja, und es ist mir jetzt klar, dass zuerst die Kapitäne informiert werden müssen. Die Erde hatte einen guten Erfolg, die Tyhianer auf dem Boden zu bekämpfen. Wir konnten ihnen Waffen abnehmen, welche nun genutzt werden können, um auf dem Boden gegen ihre Panzer und Luftfahrzeuge vorgehen zu können. Damit gestaltet sich eine Gegenwehr auf der Erde selbst als erheblich effektiver. Des Weiteren ist es den Amerikanern gelungen, Atomwaffen in die Flotte der Tyhianer im All zu lenken und dort großen Schaden anzurichten. Mit dem, was von den Tyhianern übriggeblieben ist, werden sie die Erde garantiert nicht einnehmen können. Die schlechte Nachricht erreichte mich, als ich mich kurz vor dem Sprung befand. Die Tyhianer setzen chemische und biologische Kampfstoffe ein. Deren Effektivität konnte ich aber nicht mehr überprüfen. Das sind die Informationen.“ Kohn wandte sich ab. „Gut für die Waffen, die wir erbeuten können, und den Erfolg durch den Einsatz der Atomwaffen. Was es bedeutet, dass eine technologisch weiterentwickelte Rasse auf der Erde Chemie- und Biowaffen einsetzt, brauchen wir hier nicht zu erörtern“, meinte er lakonisch. Van Groth nickte etwas ernüchtert. Solche Gerüchte wollte Kohn in seiner kleinen Flotte nicht verbreitet wissen.

„Wir müssen jetzt das Forschungsschiff finden. Das ist die nächste Aufgabe. Aber hiermit sind Sie informiert. Hoffen wir, dass die Tyhianer von einem weiteren Angriff auf die Erde absehen, sodass unsere Verzweiflungstat unnötig wird.“ Die Kapitäne nickten.

„Also sind die nächsten Anweisungen nur logisch. Die Erkunder, der Zerstörer und die Fregatten werden sich jetzt voneinander entfernen und mit ihren Scannern verschiedene Richtungen abscannen, um nachzusehen, wo sich ein kleines, sich schnell, aber in Unterlicht, in Richtung Erde bewegendes Objekt befindet. Das muss bald gefunden werden. Wir haben nicht viel Zeit. Der Antrieb muss bei hoher Eigengeschwindigkeit des Schiffes eingebaut werden, das Forschungsschiff zu wenden und abzubremsen dauert zu lange. Damit werden sich der Transporter und das Wartungsschiff auseinandersetzen müssen. Ich hoffe, wir können das Schiff überhaupt kontaktieren. Solange es bei so hoher Geschwindigkeit fährt, wird der Aufbau eines Funkkontaktes mit ziemlicher Sicherheit schwierig werden.“ Die angesprochenen Kapitäne nickten. Die Kapitäne der Erkunder ebenso.

„Dann kommen wir zur nächsten sofortigen Aktion, welche das Wartungsschiff und den Transporter betreffen. Ich möchte, dass alle Teile des Antriebes, dessen Montagewerkzeuge und Materialien bereits hier auf das Wartungsschiff umgeladen werden, zusammen mit dem Personal, welches benötigt wird, den Antrieb auf dem Schiff zu verbauen. Die reguläre Mannschaft des Wartungsschiffes, falls benötigt, wird auch gleich auf den Einbau angelernt. Ich möchte, dass sie mehr können, als nur die Schrauben zu halten. Falls es auf dem Wartungsschiff damit personell zu eng wird, wird unnötiges Personal auf den Zerstörer oder den Transporter versetzt. Der Zerstörer wird wahrscheinlich kaum helfen können, den Antrieb zu verbauen, aber mit dessen Rettungsbooten ist eine weitere Sicherheit für das Montagepersonal gegeben.

Der Einbau wird unter sehr hoher Geschwindigkeit geschehen, also müssen alle Piloten des Zerstörers, welche eines der Rettungsboote steuern können, dazu gedrillt werden, mit solchen Situationen umgehen zu können. Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Mann zu verlieren, der auf der Werft instruiert wurde, diesen Antrieb zu montieren. Egal ob nur einen Arbeiter oder einen der Ingenieure. Das muss absolut verstanden werden. Dafür wird der Zerstörer zuständig sein. Der Transporter verfügt nur über zwei Rettungsboote. Das ist mir für diesen Einsatz zu wenig, selbst mit den zwei Rettungsbooten des Wartungsschiffes, dessen Personal sowieso eine andere Priorität hat. Bitte veranlassen Sie die Übergabe des Materials und des Personals hier. Haben Sie diesbezüglich noch Fragen?“ Die Köpfe wurden geschüttelt. Der Admiral löste die Versammlung damit auf.

Er war froh, dass er noch eine Tasse Kaffee serviert bekam. Müde setzte er sich hin und trank den ersten Schluck. An seiner Türe wurde geklopft. Kohn öffnete sie und Kapitän Meiers trat ein. Zuerst blieb er stumm, doch da der Admiral keine Fragen stellte, fing er an: „Wenn eine zweite Streitmacht eintrifft, ist die Menschheit auf der Erde verloren. Das brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber Koordinaten zum Planeten haben wir tatsächlich nicht?“ Kohn schüttelte den Kopf. „Nein, wir wissen nicht, was die … sagen wir mal: unsere vermeintlich Verbündeten … nicht doch an die Tyhianer weitergeben. Deswegen wurde die Kommunikation auch so spärlich gehalten. Das ist uns gegenüber betrachtet ärgerlich, …sogar äußerst hinderlich, aber falls die Tyhianer die Koordinaten eines weiteren Planeten, der von uns besiedelt wird, in die Hände bekommen, werden sie sicherlich auch dort auftauchen.

Ich kann immer noch nicht glauben, dass Cholis und Cholar nicht angegriffen worden sind. Das können uns die Drandar beteuern, so oft sie wollen, denen glaube ich nicht, und die können all unsere Kommunikation entschlüsseln! Der Rasse der Wale glaube ich es auch nicht. Sie verstehen sicherlich, was ich meine. Deswegen ist dies hier eine Mission, die ohne Weiteres das Überleben der Menschheit überhaupt sichern könnte. Deswegen all die Geheimhaltung und die Aktivierung der Schiffe, welche von der Erde einigermaßen weit entfernt waren. Ich kann nur hoffen, dass die beiden Schiffe, welche die Siedler für Base geladen haben, sicher bei uns ankommen, denn ohne die ist es relativ sinnlos, weiterzumachen. Aber das brauche ich Ihnen auch nicht zu erklären.“

Meiers nickte langsam. „Wir müssen für alles Weitere also dieses Erkundungsschiff finden. Und wie lange war das unterwegs?“

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