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Leseprobe:
Aus tiefstem Herzen,
von Eve Jayden

1081-2

Vorwort

Über die letzten fünfundzwanzig Jahre meines Lebens habe ich in einer Art Tagebuch Notizen gesammelt. Vermerke über Verzweiflung, Erniedrigungen und Kränkungen, aber auch Hoffnungsschimmer.

Ich habe mir geschworen, wenn ich es schaffe, mich aus meinen Miseren und Notlagen aus eigener Kraft und mit harter Arbeit zu befreien, werde ich dies zu Papier bringen, um anderen Menschen Mut zu machen.

So ist dieses Werk entstanden, an den dem ich fast das ganze Jahr 2017 und in einigen langen Nächten 2018 geschrieben habe, um die richtigen Worte zu finden. Manchmal ein paar Tage hintereinander, manchmal musste ich lange Pausen machen, da viele Gefühle wieder hochkamen und mich an schlechte, aber auch gute Zeiten erinnerten.

Dieses Werk ist in erster Linie dafür gedacht, Frauen Mut zu machen und sich nicht alles im Leben gefallen zu lassen.

Wenn man will, kann man so viel schaffen im Leben, aber man muss es aus tiefstem Herzen wollen und so schwer es auch ist, man darf nicht aufgeben.

Es hat sich bis jetzt nicht alles erfüllt, was ich mir vorgenommen habe, und einiges wird sich auch wahrscheinlich nicht erfüllen. Aber man muss sich hohe Ziele stecken und egal wie viel Rückschläge man erleidet, immer wieder aufstehen und wieder und wieder anfangen.

Und zweitens in Dankbarkeit für Arthur Edward Quinn, der durch zwei kurze, zufällige Begegnungen vor mehr als fünfundzwanzig Jahren in Barcelona, aus denen ich heute noch Kraft schöpfe, mein Leben in so vielerlei Hinsicht geprägt hat. Auch wenn es mir nie gegeben sein wird, ihm erneut zu begegnen, so ist er zu einem der wichtigsten Menschen in meinem Leben geworden – auch wenn er nichts davon weiß oder je erfahren wird.

Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, wie es ist, mal erwachsen zu sein: Karriere machen, ein Haus mit Pool besitzen, verheiratet sein, mit meinem Mann die Welt bereisen und Kinder haben. So wie es sich wahrscheinlich jedes Kind vorstellt. Doch mit der Trennung meiner Eltern zerschlug sich dieses Weltbild, das ich mir für mein Leben ausmalte. Mein Vater heiratete eine viel jüngere Frau, mit der er Kinder bekam, und machte große Karriere, meine Mutter wurde zur Säuferin und starb, als ich gerade mal zehn Jahre alt war.

Der einzig wichtige Mensch, der mir im Leben blieb, war meine Großmutter. Sie machte alles für mich, zog mich groß, brachte mir alles bei, was ich im Leben wissen musste, schenkte mir jene Kindheit, so unbesorgt und geliebt, wie es jedes Kind haben sollte. Ein Spruch von ihr wird mir immer unvergessen bleiben im Leben, den ich hätte beherzigen sollen, allerdings ist das nicht meine Art. Sie sagte immer: „Eve, du musst härter werden, du bist viel zu großzügig, machst zu viel für andere, so wirst du im Leben auf der Strecke bleiben. Sei nicht so dumm wie ich!“
Früher dachte ich immer, was redet sie nur, doch sie sollte recht behalten.

Meine Mutter starb sehr früh durch den Konsum von Alkohol. Aufgrund dessen verweigerte ich schon als Jugendliche, wenn wir mit unserer Clique unterwegs waren, alkoholische Getränke. Oftmals wurde ich ausgelacht, aber das war mir egal. Sie wussten ja nicht, warum ich nicht mittrank, und sagen wollte ich es niemandem, weil ich mich für meine Mutter schämte.
Als meine Großmutter an Lungenkrebs starb, brach es mir das Herz. Von heute auf morgen stand ich allein da. Gerade achtzehn Jahre alt, Matura im Sack, angefangen zu arbeiten und keine Ahnung vom Leben. Die Einsamkeit am Abend in der großen Wohnung brachte mich oft zum Grübeln.

Also beschloss ich, um mal auf andere Gedanken zu kommen, mit einer Freundin nach Barcelona zu fahren. Ich verliebte mich in diese Stadt – kein Vergleich mit dem „langweiligen“ Wien, wo tagein, tagaus immer der gleiche Trott herrschte. Dorothea und ich genossen die Tage in Barcelona, schlugen uns die Nächte um die Ohren und lernten viele interessante Leute kennen, und einige sind heute noch unsere Freunde. Eines Abends sah ich in einem Restaurant, am anderen Ende des Lokals, einen jungen Mann, vielleicht drei bis vier Jahre älter als ich, groß gewachsen, und seine Augen faszinierten mich. Ich konnte nicht aufhören, ihn anzuschauen. Anscheinend war dies so offensichtlich, dass er auch immer wieder herschaute und mich anlächelte, was meinen Pulsschlag gleich um einiges beschleunigte.

Leider war ich natürlich zu feig hinüberzugehen, da er nicht allein war, und außerdem konnte ich ja kein Spanisch, nur Englisch und Französisch. Ich weiß gar nicht, warum ich davon ausging, dass er Spanier war, so sah er ja gar nicht aus. Eher amerikanisch mit einem leichten italienischen Einschlag. Leider hatten wir nur noch einen Tag in Barcelona und ich glaube, das war der längste Tag meines Lebens.

Ich bettelte Dorothea an, den letzten Tag in Barcelona mit mir zu zusammen, diesen Mann aus dem Restaurant zu finden. Am nächsten Tag ging unser Flieger zurück in die Heimat und ich wollte keine Sekunde verstreichen lassen, ihn zu finden. Ich spreche ihn einfach an, dachte ich mir, auf Englisch eben, denn das kann ja jeder auf der Welt. Und wenn mich meine Sinne nicht trübten, dann war er Amerikaner, aber andererseits, was sollte der in Barcelona machen. Urlaub? Nein, danach sah er nicht aus und Student schon gar nicht, dafür war er zu gut gekleidet und einfach zu umwerfend.

Ich kann gar nicht mehr sagen, wie oft wir die Rambla auf und ab marschierten und jeden Winkel von Barcelona besuchten, in der Hoffnung, diesen Mann zu finden. Dann schleppte ich Dorothea noch durch das Nachtleben – oh mein Gott, hasste sie mich an diesem Tag, diese Nacht und die darauffolgenden Stunden. Denn ich sollte es schaffen, sie noch sprachloser zu machen in den nächsten Stunden. Sie meinte nur: „Es gibt noch andere Männer auf dieser Welt“ und: „Das kann aber jetzt nicht dein Ernst sein“, aber ich wusste, DAS war DER Mann für mich – sozusagen die „Liebe auf den ersten Blick“. Noch nie hatte ich bei jemandem das Gefühl, nicht ohne jemanden sein zu wollen, außer bei diesem Mann.
An unserem ersten Tag in Barcelona lernte ich einen anderen jungen Mann namens Pablo kennen, einen Rechtsanwalt, gebürtiger Argentinier, der sich in mich verliebte, aber mich überhaupt nicht interessierte.

Er sah gut aus, war sehr nett und bemüht um mich, aber er war nicht der Mann, in dessen Augen ich mich unsterblich verliebt hatte. Und ich ahnte nicht, dass Pablo in den nächsten Tagen eine wichtige Rolle auf der Suche nach meinem Unbekannten spielen würde.

Wenn auch nicht erfolgreich, aber immerhin versuchte er, was er konnte. Kurzum, jedenfalls war es so weit, dass wir zum Flughafen mussten und mir die Tränen in den Augen standen. ER war unauffindbar für mich. Am liebsten hätte ich meinen Urlaub verlängert, ich wollte nicht abreisen, ohne zu wissen, wer er war. Also machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, raus aus unserem Hotel in Hafennähe, um die Mittagszeit war einiges los auf den Straßen. Wir wollten nur in ein Taxi springen, aber es war so ein Gedränge, dass wir es schwer hatten, bis zu einem Taxistand zu kommen.

Mit nunmehr fast dreißig Stunden ohne Schlaf war Dorothea stinksauer auf mich, weil ich sie gezwungen habe, mit mir eine unmögliche Suche nach einem Mann zu starten, der mich nicht kannte, den ich nicht kannte, der mir aber nicht mehr aus dem Kopf ging. Wir quälten uns durch die Menschen, einige in Eile, weil sie schon ziemlich spät dran waren, andere bummelten nur herum, einige gingen normalen Schrittes und andere standen einfach nur im Weg herum. Und wir mussten noch die halbe Rambla zu einem Taxistand durchqueren. Meine Laune war ziemlich auf dem Nullpunkt und von Dorotheas Laune, die kein Wort mehr mit mir sprach, will ich ja gar nicht reden. Plötzlich rempelte mich jemand von hinten an, ich hörte nur ein „Sorry“. Erst wollte ich mich gar nicht umdrehen, und dann ein Griff an meine Schulter mit den Worten „Are you okay?“. Also drehte ich mich um und erstarrte vor Schreck, da stand er: Der Mann, den ich die letzten dreißig Stunden in Barcelona gesucht hatte. Und was tat ich? Ich nickte und starrte nur in diese wunderschönen Augen – ich glaube, er war fast zwei Meter groß, dann diese außergewöhnliche, markante und für mich auf ewig unvergessene männliche Stimme – und brachte keinen Ton raus.

Mir kam es vor wie ein Erdbeben, als würde der Boden unter meinen Füßen verschwinden. So standen wir da ungefähr fünfzehn bis zwanzig Sekunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, und ich wollte nicht, dass sie enden. Wenn es nur nach mir gegangen wäre, wäre ich noch stundenlang stehen geblieben und in seinen Augen versunken. Ihm schien es dann peinlich zu werden, er lächelte mich an, sagte: „Okay, bye“, lächelte noch mal und ging in die entgegengesetzte Richtung weiter.
Als ich wieder bei mir war, hörte ich nur Dorothea sagen: „Und, hast jetzt seinen Namen? Seine Telefonnummer?“
Ich drehte mich um, schüttelte den Kopf, sagte ihr, dass ich wie erstarrt war und nur in seine Augen sehen konnte, aber immerhin jetzt wusste, dass er englisch spricht.

„Das ist jetzt aber nicht dein Ernst?“, das waren die letzten Worte, die ich bis daheim von meiner besten Freundin hören sollte. Ich sagte noch, ich geh ihm schnell nach, ich brauche seinen Namen, da packte mich Dorothea am Arm und zog mich wortlos zum nächsten Taxi. Ich hasse mich bis heute, mittlerweile weit über fünfundzwanzig Jahre später, dass ich meinen Mund nicht aufgebracht habe. Wer weiß, vielleicht wäre mein Leben bis dato genauso verlaufen, weil es keine Chance mit ihm gegeben hätte, oder vielleicht wäre es anders verlaufen und wir hätten unser Leben gemeinsam verbracht und wären glücklich geworden. Ich werde es nie erfahren, denn ich nutzte meine erste Chance im Restaurant nicht, meine zweite im Gedränge nicht, und eine dritte Chance wird es für mich nicht geben. Es heißt nicht umsonst „Jeder verdient eine zweite Chance“ und nicht „eine dritte Chance“.
Dass dieser Mann aber auch nach über fünfundzwanzig Jahren noch eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen wird, damit habe ich natürlich nicht gerechnet.

Wieder daheim machte mich Dorothea mal so richtig zur Sau, aber nach ein paar Tagen, und als sie merkte, wie sehr mir dieser Unbekannte am Herzen lag, war alles wieder vergessen.
Mich beschäftigte natürlich weiter, wie ich herausfinden kann, wer der Fremde war.

Der Arbeitsalltag hatte mich wieder, aber es verging kein Tag, an dem ich nicht an ihn denken musste. Dann kam mir eine Idee. Wir haben ja in Barcelona Pablo kennengelernt, der mir fast täglich schrieb und den ich eigentlich mehr oder weniger ignorierte. Er war Rechtsanwalt bei einer großen Kanzlei in Barcelona. Ich fragte ihn, ob er nicht Zugriff auf Überwachungskameras bekommen könnte, und bat ihn, ob es ihm möglich wäre, aufgrund der Uhrzeit, wann wir das Hotel verliessen oder sonst irgendwie für mich herauszufinden, wer der Unbekannte war.
War natürlich nicht sehr fair von mir, da ich wusste, dass er auf mich stand und mehr wollte, aber was soll ich sagen: „Das Herz will, was das Herz will.“ Und vormachen wollte ich Pablo auch nichts, denn das ist nicht meine Art.

Er sagte mir gleich, dass er gegen eine Menge Gesetze verstoßen würde, wenn er dies mache. Er würde mir gerne helfen, dies aber nicht mal dann machen könnte, wenn wir ein Paar wären. Dazu sei ihm sein Job zu wichtig und den würde er für niemand riskieren. Obwohl er auf allen legalen Wegen versuchte, mir zu helfen, kam leider nichts dabei raus. Pablo kam mich sogar einige Male besuchen und gab nicht auf, dass wir uns näherkamen. Er sagte immer, ich müsste ja wissen, wie er sich fühle, wenn ich auch so verliebt in jemanden bin. Mit dem Unterschied, dass er weiß, wer ich bin. Ich habe ihm aber von Anfang an erklärt, dass für mich nicht mehr als Freundschaft zwischen uns ist. Heute muss ich sagen, dass uns das Ganze zu sehr guten Freunden gemacht hat. Und bis heute zieht er mich damit auf, wie gemein ich war, einen Mann, der in mich verliebt ist, zu bitten, bei der Suche nach der „Liebe meines Lebens“, wie ich den Unbekannten bezeichnete, zu helfen. Einmal erzählte mir Pablo, wenn ich von ihm sprach, war es für ihn so, als würde ich ihm ein Messer ins Herz rammen und es noch kräftig umdrehen. Darüber dachte ich gar nicht nach, denn ich sah Pablo nur als Freund. So gemein es auch war, wenn ich darüber nachdenke, schwärmte ich ihm weiter vor von den schönen Augen, dieser Stimme und überhaupt von dem ganzen Mann. Es muss jedes Mal ein Messerstich für ihn gewesen sein und das tut mir heute sehr leid. Allerdings dürfte Pablo daraus nichts gelernt haben, nach wie vor versucht er ab und zu sein Glück, wenn er gerade keine Freundin hat, denn geheiratet hat er bis heute nicht. Er meint, einmal hätte er es sich vorstellen können, aber ich wollte ihn nicht. Also führte ich mein einsames Leben weiter wie bisher. Arbeitete, dachte weiterhin täglich an den Unbekannten und bereute jeden Abend, den ich allein daheim saß, dass ich einfach zu feig war, ihn nach seinem Namen und nach seiner Nummer zu fragen. Er hätte am anderen Ende der Welt wohnen können, wenn er sich auch in mich verliebt hätte, wäre ich ihm bis ans Ende der Welt gefolgt.

Um der Einsamkeit etwas zu entgehen, legte ich mir eine Katze zu. Dass Sargent mein halbes Leben mein Wegbegleiter sein wird, der mich aufbaut und zum Lachen bringt, hätte ich niemals gedacht.

Die nächsten fünf Jahre reiste ich mit Freunden und auch nur mit Dorothea fünf- bis sechsmal pro Jahr nach Barcelona, immer in der Hoffnung, diesen umwerfenden Mann wieder zu treffen, und diesmal würde ich meinen Mund aufkriegen, da war ich mir sicher. Doch leider, bei den mittlerweile etwa dreißigmal, die ich in Barcelona war, sah ich ihn nie wieder – nicht in Barcelona!

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